SPRUNGLINKS
Strukturelle Belastungen der ambulanten Versorgung: Eine Bestandsaufnahme
Die jüngsten Ereignisse bedürfen dringend eines Schlaglichts auf die makroskopischen Entwicklungen der ambulanten Versorgung. Zu selten spannen Politik und Presse den Rahmen weit genug auf, um die Praxen und MVZ als das zu sehen, was sie sind: Unternehmen mit Angestellten, Mieten und anderen Verbindlichkeiten, die sich auf der Ausgabenseite auf einem freien Markt befinden, während ihre Einnahmen staatlich veranlasst zurückgefahren werden.
In Kombination mit den Entscheidungen des Bewertungsausschusses bezüglich der psychotherapeutischen Abwertung, den Ankündigungen aus dem BMG bezüglich der umfassenden Sparpläne und weiteren Gesetzen, die in der Pipeline hängen, braut sich ein wahrer Sturm für die medizinische Versorgung zusammen. Zum Jahresbeginn hatten wir bereits eine kritische Prognose für die ambulante Versorgung formuliert. Was wir dabei unterschätzt haben, war das Ausmaß der geopolitischen Entwicklungen.
Der Iran-Krieg und seine Folgen für Lieferketten und Energiepreise haben die volkswirtschaftliche Lage nochmals verschlechtert. Inflation und erhöhte Zinsen belasten Unternehmen nunmehr strukturell. Die ambulante Versorgung steht gleichzeitig unter Zins-, Kosten-, Regulierungs- und Strukturdruck – und wird zunehmend zum unfreiwilligen Auffangbecken einer stationären Krise, die politisch bislang nur bruchstückhaft adressiert wird.

