Bundesverband MVZ e.V.
– Praktisch, aktuell und visionär

von links: Andrea Röhr, Angelika Niemier, Susanne Müller

Seit 25 Jahren setzt sich der Bundesverband Medizinische Versorgungszentren – Gesundheitszentren – Integrierte Versorgung e.V., kurz BMVZ, für die Ideen und Belange derjenigen ein, die in kooperativen Versorgungsstrukturen tätig sind.

Sie werden bei den 25 Jahren stutzen, zurückrechnen, im Jahre 1992 ankommen und eventuell fragend schauen. Vollkommen richtig! Die Zeitrechnung der Medizinischen Versorgungzentren beginnt 2004 mit der Umsetzung des GKV-Modernisierungsgesetzes (GKV-GMG) von 2003.


Doch die Geschichte des Verbandes beginnt bereits in den 90ern

Am Anfang stand die Poliklinik

Die sprichwörtliche Bedeutung des Wortes “Poliklinik” ist laut Duden verkürzt ein “einer Klinik angegliedertes Institut für ambulante Krankenbehandlung”. Poliklinik setzt sich zusammen aus dem Griechischen Wort “polis = Stadt” und “klinike = Heilkunst für bettlägerige Kranke”. Ergo: Stadtkrankenhaus. Die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs geht in die Konnotation “poly = vielfach”, Poliklinik als eine “ambulante fachübergreifende Einrichtung” über.

Bei der Vereinigung Deutschlands 1989 stehen sich zwei völlig unterschiedlich organisierte ambulante Versorgungssysteme gegenüber. Die westdeutsche Versorgungsstruktur fußt auf dem über 50 Jahre historisch gewachsenen und damit festgefügten System der Niederlassung von Fachärzten, überwiegend in Einzelpraxen. Entgegen diesem gibt es im ehemaligen, durch Verstaatlichung geprägten ostdeutschen System nur wenige niedergelassene Ärzte. Die ambulante Versorgung liegt in den Händen angestellter Ärzte der Polikliniken, oftmals in der Verzahnung mit den Krankenhäusern. Da die Behandlung die Vor- und Nachsorge einschließt, lässt sich hier durchaus von einer natürlichen sektorenübergreifenden Versorgung sprechen.

Mit dem Einigungsvertrag 1990 wird dem ostdeutschen Gesundheitssystem kurzerhand das westdeutsche übergestülpt. Das Bestehen der Polikliniken, Gesundheitszentren und Ambulatorien steht auf der Kippe. Sie bekommen durch den §311 SGB V zwar bis 1995 Bestandsschutz gewährt, doch werden die angestellten Ärzte gleichzeitig massiv aufgerufen, sich aus den bestehenden Strukturen zu lösen und sich niederzulassen. Der größte Teil der Polikliniken findet so ihr Ende. Diejenigen Polikliniken und Ambulatorien, die bestehen bleiben, finden ihre Interessens- und Lobbyvertretung im Verband der Gesundheitszentren (VdGZ).


Für die moderne ambulante Medizin

Am 14. Februar 1992 um 9:30 Uhr treffen sich im kleinen Speisesaal des Klinikum Ernst-von Bergmann in Potsdam die Gründungsmitglieder des “Verbandes der Gesundheitszentren” (VdGZ). Ziel ist die Förderung der ganzheitlichen medizinischen und sozialen Betreuung der Bevölkerung in Brandenburg.

In Zusammenarbeit mit der Landesregierung Brandenburg besteht die Aufgabe des Verbandes darin, sich auf politischer Ebene für die Zulassung der Polikliniken über 1995 hinaus einzusetzen. Und tatsächlich gelingt dies mit dem Beschluss der Entfristung des §311 im Herbst 1992.

Schnell ist klar, dass sich die Arbeit nicht auf Brandenburg beschränken darf, sondern nur für ganz Deutschland Sinn macht.

In der Gründungssatzung des Verbandes heißt es: “Für die moderne ambulante Medizin, insbesondere für die Betreuung von chronisch Kranken, ist die ärztliche Zusammenarbeit der verschiedenen medizinischen Disziplinen von großer Bedeutung.”

Erklärtes Ziel ist die Einbindung aller Formen kooperativer ambulanter Versorgung – kooperativer Ärztehäuser, gebietsübergreifenden Praxisgemeinschaften usw.. Der Weg dahin ist bis heute nicht zu Ende.

Weitere  Informationen:
“Von der Poliklinik zum MVZ”
Schriftenreihe des BMVZ, Heft 1

Vortrag  zum Verbandsjubiläum:
“Vergangenheit, Gegenwart & Zukunft der kooperativen Versorgung”

Prof. Dr. Klaus Jacobs, Geschäftsführer Wissenschaftliches Institut der AOK (WidO)


Gerade mal zehn Jahre später

Die Mühlen im Gesundheitswesen mahlen bekanntermaßen langsam. Umso erstaunlicher, dass nach “nur” zehn Jahren im Entwurf des GKV-GMG zu lesen ist: “Künftig werden medizinische Versorgungszentren zugelassen … Sie müssen unternehmerisch geführt und von zugelassenen Leistungserbringern gebildet werden. Dabei können Freiberufler und angestellte Ärzte in diesen Zentren tätig sein.”
(MASGF BRB, 1992)

Damit steht der “Neugründung” einer “alten” Idee nichts mehr im Wege –  ein weiteres Versorgungsmodell tritt als Akteur in den Kreis der ambulant Versorgenden.

Die Bezeichnung MVZ rührt übrigens daher, dass die Begriffe “Poliklinik” und “Gesundheitszentrum” für die Vertreter der damaligen westdeutschen Gesundheitspolitik negativ besetzt sind und als Bezeichnung ausscheiden. Die Fachleute des BMG orientieren sich daraufhin mit den Fraktionsmitarbeitern der Union an dem Vorbild der aus den USA stammenden “medical centers”.
Vor diesem Hintergrund wird der Begriff “Medizinisches Versorgungszentrum” kreiiert.


Bundesverband MVZ – Der Name wird Programm

Mit der Zulassungs- und Gründungserlaubnis für MVZ  wird der VdGZ 2005 zum Bundesverband Medizinische Versorgungszentren – Gesundheitszentren – Integrierte Versorgung e.V. Der Name wird Programm.

Zunächst gilt es, das MVZ “gesellschaftsfähig” und “politisch anerkannt” zu machen. Die Zukunft steht auf dem Prüfstand. Überzeugungsarbeit muss geleistet werden. Der BMVZ ruft hierzu den Praktikerkongress und weitere Veranstaltungsformate des Erfahrungsaustauschs ins Leben.

Themen sind bis heute strategische und praktische Antworten auf Fragen aus den Bereichen Recht, Organisation, Abrechnung & Honorar und Struktur. Ebenso groß geschrieben ist die Definition, Anerkennung und gesetzliche Gleichstellung des angestellten Arztes gegenüber seinen niedergelassenen Kollegen.

Der BMVZ übernimmt lückenlos die Funktion des Sprachrohrs: Er vertritt im Auftrag seiner Mitglieder deren Interessen gegenüber den Gesundheitspolitikern, Krankenkassen, ärztlichen Standesvertretern aller Ebenen, aber auch Vertretern der komplementären Gesundheitswirtschaft und der Presse.

Viele Klippen gilt es zu umschiffen, Rückschläge und Schmähungen einzustecken. Doch machen die Mitglieder immer wieder deutlich: (B)MVZ macht Spaß und es lohnt, sich dafür einzusetzen.

 

(B)MVZ macht Spaß! Praktisch, aktuell und visionär
– Ein Slogan, Schlachtruf oder auch nur simple Tatsache

Der BMVZ dient als Anlaufstelle für Auskünfte, gibt Orientierungshilfe für Neugründer und “alte” Hasen. Vor allem ist er politischer und gesellschaftlicher Interessensvertreter kooperativer Einrichtungen, die sich praktisch, aktuell und visionär genau in diesem modernen Versorgungsmodell bewegen möchten.

Der BMVZ ist

  • Transparent und offen in der Kommunikation und Information
  • Kompetent im Wissenstransfer und der Zusammenführung von Fragen und Antworten
  • Persönlich und vertraulich in der Kontaktgewinnung und Kontaktpflege
  • Lösungsorientiert und zielführend in der gesundheitspolitischen Lobbyarbeit
Dies befördert
  • eine fundierte Aufklärungsarbeit in allen Fragen rund um den Arbeitsalltag im MVZ und anderen kooperativen Versorgungsstrukturen
  • die Stärkung des Gemeinschaftsgedankens kooperativer (medizinischer) Einrichtungen
  • die Pflege eines stetig wachsenden dynamischen erfolgreichen Netzwerks
  • die Öffnung von Plattformen zur Interessensvertretung aller Partner

Das Arbeiten in kooperativen Versorgungsstrukturen ist oftmals kein leichtes Unterfangen. Kooperationen sind im ambulanten Versorgungswesen zwar politisch ausdrücklich gewünscht – jedoch sind, wie bereits in der Vergangenheit – MVZ als Institution, oder der angestellte Arzt als Person, noch immer nicht in allen Belangen der Einzelpraxis oder dem niedergelassenen Arzt gleichgestellt.

Die nächsten Bundestagswahlen 2017 stehen an – eine Chance für den Bundesverband MVZ (seit langem) bestehende Stolpersteine aus dem Weg zu räumen. Forderungen an die Politik sind u.a. Themenfelder wie “Die Ärztliche Selbstverwaltung & Angestellte Ärzte”, “Das BSG & die Erschwernis der Sitzeinbringung” und “Die Anpassung von EBM/HVM in Richtung einer strukturneutralen Leistungsorientierung”.

Lesen Sie hierzu
“2017 – Politische Forderungen des BMVZ”


Save the Date

Über den Stand der Dinge und zahlreiche Erfahrungsbeispiele aus der Praxis informieren wir Sie auf dem nächsten BMVZ-Praktikerkongress, am 20. September 2017 in Berlin.

Packen wir´s an! Zusammen mit Ihnen!