Praxisorganisation in Zeiten von Corona

Im Praxisalltag gibt es viel zu beachten und wenig Zeit, Informationen zu suchen. Deshalb sammeln wir hier wöchentlich aus den verschiedensten Quellen Informationen für den ambulanten Praxisbetrieb und fassen sie kompakt für Sie zusammen.

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Was diese Woche neu und wichtig ist
(Stand KW48)

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der letzten 4 Wochen

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& Linksammlung zu Corona-Sonderseiten

Was diese Woche neu und wichtig ist (23.11. – 29.11.)

Wichtig im PraxisalltagNachrichtenWas sonst noch relevant ist
  • GOÄ: Umsatzsteuersenkung noch bis Jahresende weitergeben
    Zum 1. Juli 2020 hatte der Gesetzgeber beschlossen, als konjunkturfördernde Maßnahme den Regelsteuersatz von 19 auf 16 % zu senken. Dies gilt noch bis Ende des jahres; soll dann aber definitiv auslaufen. Die Auswirkungen sind auch für Arztpraxen relevant und zwar nicht nur positiv als Rechnungsempfänger. Denn auch auf den Ausgangsrechnungen der Praxis nicht nur auf den Eingangsrechnungen muss der Mehrwertsteuersatz richtig ausgewiesen sein. Darauf soll an dieser Stelle noch einmal verwiesen werden.
    Analyse aus Arzt+Wirtschaft v. 22.11.2020
    Wann Ärzte die Umsatzsteuersenkung an Patienten weitergeben müssen

    Arbeitshilfe des BMVZ v. 06.08.2020
    Auswirkungen der Umsatzsteuersenkung auf MVZ
  • Laborwirtschaftlichkeitsbonus:
    Angabe der Kennnummer entfällt bei Corona-Testungen
    Am 19. November hat der Bewertungsauschuss zur Vereinfachung des Prozederes entschieden, dass Praxen, die Erregernachweise auf SARS-CoV-2 veranlassen, ab sofort nicht mehr die Kennnummer 32006 angeben müssen. Der EBM wurde rückwirkend zum 1. Oktober 2020 so geändert, das das Laborbudget automatisch nicht belastet wird. Das gilt sowohl für die GOP 32779 (Antigentest), aus auch die GOP 32811 oder 32816 (PCR-Test). 
    KBV-Mitteilung
    Wirtschaftlichkeitsbonus Labor: Angabe der Kennnummer entfällt

    Volltext des Beschlusses
    Beschluss des BA nach § 87 Abs. 1 Satz 1 SGB V (535. Sitzung)
  • SARS-CoV-2-Testergebnisse richtig einordnen
    RKI veröffentlicht Interpretationshilfe
    Weil die Situation für viele Ärzte immer unübersichtlicher wird, hat das Robert-Koch-Institut nun mit einer fachlichen Hilfestellung zum besseren Verständnis von Corona-Schnell­test-Ergebnissen reagiert. Da diese nur dann Sinn ergeben, wenn Gruppen getestet werden, die einen hohen Anteil an Infizierten aufweisen, zeigt das RKI das Problem unterschiedlicher Testansätze auf und erläutert die Hintergründe zu Sensitivität und Spezifität. Erklärt wird auch, weshalb die Aussagekraft von Antigen-Schnelltest-Resultaten stark davon abhängt, wie viele der Getesteten tatsächlich infiziert sind. Gegenwärtig bieten etwa einhundert Unternehmen Schnelltests zum Nachweis von SARS-CoV-2-Antigenen an.
    Veröffentlichung des RKI im Ärzteblatt v. 20.11.2020
    SARS-CoV-2: Testergebnisse richtig einordnen
    Grafik des RKI
    Corona-Schnelltest-Ergebnisse verstehen (Stand 12.11.2020)

Bericht zum Dt. Krankenhaustag
Polikliniken als neuer Ansatz für Integrierte Versorgung?
Die Krankenhäuser reklamieren einen größeren Teil der ambulanten Versorgung für sich. Beim 43. Deutschen Krankenhaustag schlug der Verband der Krankenhausdirektoren (VKD) vor, Polikliniken zu etablieren, in denen Patienten eine integrierte Versorgung „ohne Zeitverluste“ bekommen. Gemeint sind offensichtlich nicht MVZ. Vielmehr wurde in der Eröffnungsrede des VKD-Präsidenten Düllings am 16.11. der Bezug zu den Corona-Teststellen sowie zur Notfallversorgung hergestellt.
Der Vorstoß ist somit als Reaktion auf den mit dem Entwurf des GKV-GVWG vorgelegten Plan des BMG, durch die KBV ein standardisiertes Ersteinschät­zungs­verfahren für die ambulante Notfallbehandlung im Krankenhaus entwickeln zu lassen, zu verstehen (Vgl. unser Bericht in KW45). 

Drittes Digitalsierungsgesetz
Spahn will Medizinsektor beim Datenschutz entlasten
Unter dem Namen “Digitale Versorgung und Pflege Modernisierungs-Gesetz” – kurz DVPMG arbeitet das BMG mit Hochdruck an einer Weiterentwicklung der bisherigen Gesetzgebung rund um die Digitalisierung der Arztpraxis. Nach übereinstimmenden Berichten des ÄND (Quelle), des Ärzteblattes (Quelle) und des Handelsblattes soll dabei u.a. die Entlastung beim Datenschutz für den Medizinsektor im Mittelpunkt stehen. In einem neuen Referentenentwurf, sei etwa die Rede davon, dass der Gesetzgeber die Datenschutz-Folgeabschätzung für die Verarbeitung personenbezogener Daten mittels der Komponenten der TI „zum Zweck der Entlastung der Leistungserbringer“ im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens selbst vornehmen will. Eine entsprechende Datenschutz-Folgeabschätzung des BMG soll dem Referentenentwurf als Anlage beigefügt sein.
Vorgesehen ist außerdem, Videosprechstunden und Telekonsile zu stärken, indem Rahmenbedingungen und Vergütung attraktiver werden. Außerdem werden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass eAU auch bei der ausschließlichen Fernbehandlung ausgestellt werden können.

Anhaltende Beschaffungsprobleme
Beim Grippeimpfstoff zeichnet sich immer noch keine Entspannung ab
Immer wieder wurde versichert, dass alle Menschen, die sich gegen Grippe impfen lassen wollen, auch geimpft werden können. Doch das hat sich offenbar geändert: Nachschub an Impfstoff sei nicht in Sicht, vielmehr gehe der Großhandel dazu über, Nachbestellungen zu stornieren. „Die hessischen Apotheken konnten noch bis November kleinere Mengen an Impfstoffen über den HAV nachbestellen“, erklärt der Chef des hessischen Apothekerverbandes. Auch die Großhändler hätten bislang noch Vorbestellungen angenommen. Doch dies sei nun vorbei: „Nunmehr wurden diese Nachbestellungen durch einige Großhändler storniert“, so Seyfarth. „Die Erwartung, dass über die vorbestellten Mengen hinaus noch Impfstoff in den Markt gelangt, scheint hier nicht mehr gegeben.“
Die Erfahrungen decken sich mit denen von Kollegen aus ganz Deutschland. Unklar ist der Verbleib der nationalen Reserve, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angeschafft hatte. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hatte vor zwei Wochen erklärt, dass Vaxigrip Tetra in französischer Aufmachung und Fluzone in US-Aufmachung bestellt werden können.

Corona-Impfstrategie
Vertragsärzte und MVZ als zentrale Struktur
Zur Vorbereitung flächendeckender Impfungen hat das BMG ein Strategiepapier verfasst, über dessen Entwurf die Ärztezeitung berichtet. Danach gehen die Autoren bei einem achtstündigen Arbeitstag von 96 möglichen Impfungen je Arzt und Tag aus. Aus den Erfahrungen der betriebsärztlichen Grippeimpfung setzen sie für die Impfung 15 Minuten je Person an. Weiter wird ausgeführt, dass die Impfaufklärung von etwa fünf Minuten zwingend von Ärzten vorzunehmen sei, während die Impfung selbst an Assistenzpersonal delegiert werden könne. Zeit gespart werden könne eventuell durch Aufklärung ganzer Gruppen, die zum Beispiel nach den Impfstoffen geclustert werden könnten.
Die „Empfehlungen für die Organisation und Durchführung von Impfungen gegen SARS-CoV-2 in Impfzentren und mit mobilen Teams“ präzisieren den Beschluss von Bund und Ländern von Anfang November. Damals hatte sich die Gesundheitsministerkonferenz bereits auf einen Rahmen für die Corona-Impfstrategie geeinigt.

Praxistipps zur Digitalisierung
Bedeutung und Konsequenzen des PDSG für Ärzte
Seit 20. Oktober ist das Patientendatenschutzgesetz (PDSG) in Kraft. Damit wurden insbesondere die digitalen Rechte von Patienten gestärkt. Es stellt u. a. klar, dass Versicherte die ePA freiwillig verwenden dürfen. Auch entscheiden sie, welche Dokumente aufgenommen werden und wer darauf Zugriff erhält. Um diese Rechte zu garantieren, kommen im Gegenzug Pflichten auf die Ärzte zu. Im Aufsatz werden überblicksartig die Punkte Teilnahme an die TI, Befüllen der ePA, Vergütung erläutert sowie Aspekte des Datenschutzes und der Datenverantwortung dargestellt.

MVZ-Statistik der KBV
Bundesweite MVZ-Zahlen für 2019 veröffentlicht
Wie stets im November  hat die KBV letzte Woche die jährliche MVZ-Statistik veröffentlicht.  Der Gesamtzuwachs um 366 MVZ auf 3.539 Häuser am Stichtag 31.12.2019  stellt eine lineare Steigerung gegenüber den Vorjahren dar. Die Zahl der humanmedizinischen MVZ steigt damit jährlich um etwa 10 Prozent. Ihre Durchschnittsgröße sinkt dagegen seit 7,2 Ärzten. Neugegründet werden also eher kleinere MVZ. Dazu dürfte vor allem die Möglichkeit, seit Sommer 2015 MVZ auch fachgleich zu betreiben, beitragen. Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass rein zahnärztliche MVZ in dieser Statistik nicht erfasst sind. Hierzu gibt es separate Veröffentlichungen von der KZBV, die für den 30. März 2020 angegeben hat, das exakt 1.000 Z-MVZ bestehen (Quelle).

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz
Minenfeld Stellenausschreibung: Was Ärzte beachten müssen
In Zeiten des Fachkräftemangels ist es naheliegend, die Praxis schon im Inserat besonders positiv darzustellen. Das ist verständlich, kann aber auch nach hinten losgehen. Wichtig ist, dass der Diskriminierungsschutz sich nicht nur auf bestehende Beschäftigtenverhältnisse bezieht, sondern insbesondere auch auf die Einstellungsbedingungen einschließlich der Auswahlkriterien. Darauf weist dieser Aufsatz, der sich mit aktueller Rechtsprechung anläßlich einer miglückten Ausschreibung für eien MFA-Stelle, eindrücklich hin. Erfolgreich hatte ein unterlegener 61-jähriger Bewerber auf Diskriminierung geklagt, der sich auf eine Stelle in einem ‘jungen Team’ beworben hatte.

 

Die Meldungen der letzten Wochen

KW47: Was war neu und wichtig (16.11. - 22.11.)
Wichtig im PraxisalltagNachrichtenWas sonst noch relevant ist
  • Abrechnungsvereinfachung bei Antigen-Schnelltest
    Für die neuartigen Tests, die seit Mitte Oktober eingesetzt werden können, stehen nun auch die Details zur Abrechnung fest. Eine entsprechende Umsetzungsverordnung wurde letzten Donnerstag von der KBV veröffentlicht. Mit Rückwirkung zum 15. Oktober sind deutliche Abrechnungsvereinfachungen vorsehen. Danach müssen Vertragsärzte für Abstriche und Sachkosten für Antigen-Schnelltests (PoC-Tests) bei monatlicher Abrechnung nur die Anzahl der Leistungen angeben. Differenzierte Angaben zu den durchgeführten Testungen sind dagegen nicht erforderlich. Dasselbe gilt für Schulungen zur Durchführung von Schnelltests, die Vertragsärzte für das Personal z.B. ivon Pflegeheimen anbieten können. Es bleibt jedoch dabei, dass für Schnelltests, die wöchentlich beim eigenen Praxispersonal durchgeführt werden dürfen, nur die Sachkosten erstattet werden, nicht jedoch der damit zusammenhängende Aufwand.

    KBV-Praxisnachrichten
    (1) Tests ohne COVID-19-Symptomatik: Details zur Abrechnung
    (2) Volltext der Abrechnungsvorschriften:
    Vorgaben für Leistungserbringer


    Schaubild (Stand 10.11.2020)
    So kodieren Sie Covid-19 richtig
  • Verordnung von Heil- & Hilfsmitteln und Transporten:
    Corona-Vereinfachungen bundesweit in Kraft gesetzt
    Aufgrund des flächendeckenden Infektionsgeschehen hat der GBA rückwirkend zum 2. November bundesweit all diejenigen Ausnahmeregelungen in Kraft gesetzt, die bereits im September vorsorglich beschlossen worden waren, um regional in Kraft zutreten, wenn in einem Landkreis der Schwellenwert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner überschritten wird. (Wir berichteten dazu in KW39). Alle Ausnahmen gelten vorläufig bis einschließlich Januar 2021. Das betrifft coronabedingte Anpassungen bei der Verordnung von häuslicher Krankenpflege, von Stimm-, Sprech-, Schluck- und Sprachtherapien sowie von Heil- und Hilfsmitteln. Bei Krankentransporten und SAPV-Verordnungen gibt es organisatorische Erleichterungen.
    G-BA-Pressemitteilung
    G-BA aktiviert bundesweit Sonderregeln für verordnete Leistungen

    Übersicht des G-BA:
    Tabelle aller regionalen Covid-Sonderregelungen
  • eHBA: Ausgabe endlich in allen Ländern möglich
    Beantragung und Ausgabe der neuen Arztausweise sind regional von den Kammern zu organisieren, weswegen es kein einheitlcihes Prozedere dafür gibt. Die Bundesärztekammer teilte nun mit, dass der eHBA inzwischen bei allen Landesärztekammern beantragt werden kann (und muss). Denn der Ausweis wird für viele verpflichtende Anwendungen im Kontext der Digitalisierung der Arztpraxis benötigt. Der ÄND (Artikel v. 5.11.) wies kürzlich darauf hin, dass bisher nur 8 % der Ärzte einen eHBA haben. Für angestellte Ärzte und ihre Arbeitgeber in MVZ und BAG ergeben sich rund um die Beantragung und Finanzierung des eHBA zudem besondere Spannungsfelder, denen sich der BMVZ in einer umfassenden Analyse gewidmet hat.

    Arbeitshilfe des BMVZ für Arbeitgeber
    Der eHBA: Fristen, Kosten, Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Implikationen
    Mitteilung der BÄK
    Alle Landesärztekammern ausgabebereit
  • Hinweis zur Corona-Testung: Formulare nicht kopieren
    Aufgrund gehäuft auftretender Fehler weist das BMG in einem Schreiben an Ärzte und Praxen darauf hin, dass Auftragsformulare für Corona-Tests und im Besonderen entsprechende QR-Code zur Übermittlung der Testergebnisse keinesfalls kopiert und für mehrere Testungen verwendet werden dürfen. Das betrifft das Muster 10C sowie das Muster OEGD. Da jeder Code einmalig ist, können andernfalls Testergebnisse doppelt in Umlauf geraten, falsch zugeordnet oder gar nicht mehr übermittelt werden. Außerdem sollten Ärzte darauf achten, dass das Feld zur Einwilligung der Übermittlung der Daten per App angekreuzt ist, und der Patient den Patientenabschnitt mit dem entsprechenden QR-Code mitnimmt.

    Abrechnung Aktuell
    Auftragsformulare mit individuellen QR-Codes nicht kopieren
    BMG-Information
    Corona-Warn-App: Wichtige Informationen für SARS-Cov-2
    Abstrichentnahmestellen in Arztpraxen und Testzentren

Befreiung vom Tragen des Mund-Nasen-Schutz
(1) Ärztekammer Sachsen veröffentlicht inhaltliche Vorgaben
(2) Kammern treten Coronaleugnern innerhalb der Ärzteschaft entgegen
Nach wie vor ist es auch für die Kammern ein heikles Thema, wann und unter welchen Bedingungen Ärzte Atteste, die von der Maskenpflicht befreien, ausstellen dürfen. Die SLÄK macht jetzt zumindest klare Vorgaben (1), welche Angaben ein solches Attest enthalten muss: Notwendig ist demnach nciht nur die konkrete Angabe der medizinischen Gründesondern auch Namen und Geburtsdatum der Person. Denn, demjenigen, der das Attest prüft muss nachvollziehbar sein, auf welcher Grundlage der Arzt das Attest ausgestellt hat. Die Medical Tribune hat dagegen Informationen zusammengetragen (2), wie insgesamt in den Kammern mit Ärzten, die sich mit den Coronaregeln schwertun, umgehen. Allein für Berlin wurden von der Kammer über 100 Beschwerden, die die Corona-Vorschriften nicht ernst nehmen würden, gegen Ärzte bestätigt (Berliner Zeitung v. 12. November). Einige Fälle seien an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden.

Corona-Impfstrategie
Minister beschließen Corona-Impfstrategie – Arbeit für die KVen
Bei der Organisation von Corona-Impfungen werden die KVen von Jens Spahn in die Pflicht genommen. Sie sollen über die TSS für die Terminvermittlung zuständig sein und beim Aufbau von Impfzentren unterstützend mitwirken. Der Bund will, sobald eine entsprechender Impfstoff einsatzbereit ist, die Dosen zentral beschaffen und bezahlen, während die Länder ca. 60 Impfzentren errichten sollen. Die Kosten für die entsprechende Ausrüstung soll ebenfalls von den Ländern und zur Hälfte von der GKV getragen werden.

ePA nicht DSGVO-Konform
Bundesdatenschützer schickt Warnung an Krankenkassen
Die ePA ist in ihrer jetzigen Form nicht DSGVO-Konform, das ist jedenfalls die Auffassung vom Bundesdatenschutzbeauftragen Professor Ulrich Kelber. Über die Probleme berichteten wir bereits in den Nachrichten der KW43. Am 6. November hat er deshalb eine offizielle Warnung an die gesetzlichen Krankenkassen geschickt. Im Kern geht es bei der Kritik um das fehlende Zugriffsmanagement, das zum Start der ePA 2021 noch nicht verfügbar sein soll. Die Versicherten sollen erst ab 2022 festlegen können, welcher Arzt welche Daten auf der ePA einsehen kann. Aus Sicht des Bundesbeauftragten für den Datenschutz verstößt die ePA damit gegen die Datenschutzgrundverordnung. Können die Krankenkassen keine DSGVO-konforme Variante anbieten, könnten sie in letzter Instanz untersagt werden.

Antigenschnelltests
Auslieferungen laufen in ersten Ländern an
Damit Einrichtungen wie Pflegeheime mit Antigenschnelltests auf Kassenkosten ausgestattet werden können, müssen sie entsprechende Testkonzepte vorlegen. So werden pro Heimbewohner bis zu 20 Antigenschnelltests im Monat ermöglicht. In den ersten Bundesländern haben dazu die Auslieferungen begonnen. Abrechnen können die Schnelltests, wenn sie von Ärzten durchgeführt werden, nur Laborärzte. Sie werden über die EBM-Nr. 32779 abgerechnet und mit 10,80 EUR vergütet.

Portal für Gesundheitsapps
www.kvappradar.de
Mit dem KV-App-Radar hat das Zi ein neues Online-Portal für Gesundheitsapps gestartet. Ärzte können sich auf der Seite über mehr als 3.300 Apps informieren, wenn sie sich mit dem Thema befassen und entsprechende Anwendungen ihren Patienten empfehlen wollen. Es ist außerdem möglich Bewertungen abzugeben und nach bestimmten Themengebieten zu suche. Um die Seite zu nutzen, ist nur eine einfache Registrierung notwendig. Seit letztem Monat können erste Apps zulasten der GKV verschrieben werden, dazu zählen allerdings nur fünf Anwendungen.

Fallzahlen während Corona zurückgegangen
Zahl der ambulanten Behandlungsfälle zeitweise zurückgegangen
Im April und Mai, also zu Beginn der Corona-Pandemie, sind die Fallzahlen in der ambulanten Versorgung um 23 bzw. 15 Prozent zurückgegangen. Besonders stark betroffen waren dabei die Kinder- und Fachärzte mit einem Rückgang von 34 und 26 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Inanspruchnahme von Telefon- und Videokonsultationen. Erst Ende Mai entwickelten sich die Zahlen wieder knapp auf das Vorjahresniveau.

Gefahren durch Cyber-Kriminelle
Digitalisierung: aber „sicher“ ‒ das sind die sechs Killerstrategien der Cyberkriminellen
Im Zuge der ersten Corona-Welle haben sich viele Einrichtungen im Eiltempo digitalisiert. Der Einsatz von Videosprechstunden oder anderen Fernbehandlungsmethoden ist stark gestiegen. Oftmals werden bei der Einführung von neuer Technik und Software jedoch Sicherheitsaspekte nicht ausreichend beachtet. Das sollte spätestens jetzt nachgeholt werden. Der Beitrag stellt die gängigsten und gefährlichsten Angriffe durch Schadsoftware dar. Daneben existieren aber noch viele weitere, die IT-Sicherheit der eigenen Einrichtung sollte also auf jeden Fall einem Test unterzogen werden.

KW46: Was war neu und wichtig (09.11. - 16.11.)
Wichtig im PraxisalltagNachrichtenWas sonst noch relevant ist
  • Corona-Teststrategie angepasst:
    Nicht mehr bei jedem Symptom testen
    Patienten mit leichten Atemwegsinfekten und Symptomen sollen nicht mehr automatisch auf das Corona-Virus getestet werden. Stattdessen sollen sie ihre Krankheit zu Hause auskurieren und sich bei Bedarf telefonisch krankschreiben lassen. Um Testkapazitäten und Praxen zu schonen, sollen laut RKI Personen mit leichten Atemwegsinfekten nur dann getestet werden, wenn sie Kontakt zu einer positiv getesteten Person hatten, zur Risikogruppe gehören, regelmäßig mit vielen Menschen in Kontakt stehen oder in Gesundheits- und Pflegeberufen arbeiten.
    Ärzteblatt v. 3.11.
    SARS-CoV-2-Diag­nostik: RKI passt Testempfehlungen an

    KBV-Merkblatt v. 9.11.
    Corona-Testung asymptomatischer Personen
  • Dialyseeinrichtungen: Sonderregelungen verlängert
    Die bestehenden Sonderregelungen für Dialyseeinrichtungen wurden bis zum 31. März 2021 verlängert. Wenn Einrichtungen von den Dialysevorgaben abweichen, müssen sie dies jedoch der KBV melden. Sie können jedoch weiterhin unkompliziert Patienten aus anderen Einrichtungen übernehmen, wenn diese aus Gründen des Infektionsschutzes geschlossen sind oder Ärzte ausfallen. Es besteht außerdem die Möglichkeit, dass bestimmte Einrichtungen nur noch corona-positive Patienten behandeln, um in diesem Falle die Versorgung weiterhin aufrecht zu erhalten.
    KBV-Praxisnachrichten:
    Sonderregelung für Dialyse-Versorgung gilt bis Ende März 2021
  • Zwei neue EBM-Ziffern zur Erstattung der Portokosten
    im Rahmen der Videosprechstunde eingeführt
    Ab sofort werden die Portokosten für den Versand von AU-Bescheinigungen und Bescheinigungen bei Erkrankung des Kindes nach einer Videosprechstunde extrabudgeär mit 81 Cent vergütet. Zur Abrechnung wurden die neuen Kostenpauschale 40128 und 40129 geschaffen. Die bestehenden Regelungen zum Versand nach der Telefonkonsultation bleiben bestehen und davon unberührt. Briefe in diesem Kontext werden weiterhin mit 90 Cent honoriert und über die Pseudo-GOP 88122 abgerechnet.
    KBV-Praxisnachrichten:
    Portokosten für Krankschreibung werden erstattet

    Medical Tribune v. 22.10.2020
    Abrechnungsmöglichkeiten rund um die Videosprechstunde
  • Regionales aus den KVen
    (1) Berliner Vertragsarztpraxen bekommen 75 % der Kosten für Schutzausrüstung, die sie zwischen Oktober 2020 und 31. März 2021 ausgeben, erstattet. Darauf haben sich die KV und Krankenkassen geeinigt. Die Regelung gilt für die Beschaffung von FFP2- und 3-Masken, OP-Masken, Schutzbrillen, Schutzkittel, Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel.
    (2) Das Tragen von FFP2-Masken im Patientenkontakt verhindert eine Quarantäneanordnung des Gesundheitsamtes. Die Masken bieten einen ausreichenden Schutz vor der Übertragung der Krankheit. Selbst wenn ein Arzt oder medizinisches Personal positiv getestet wird, kann die Praxis offenbleiben. Die wichtigsten Bestimmungen fasst dazu die KV-Bremen zusammen.
    KV-Berlin
    Kurzfristige Einigung zwischen KV Berlin und Krankenkassen

    KV-Bremen
    FFP2 schützt vor Praxisschließung: Quarantäneregelungen für die Praxen

Zi-MVZ-Panel
Rücklaufzeitraum zur wirtschaftlichen Befragung der MVZ verlängert
Die im September gestartete Befragung zur wirtschaftlichen Lage von MVZ, wurde bis Mitte Januar 2021 verlängert. Mit der Erhebung von betriebswirtschaftlichen Daten will das Zi eine fundierte Datenbasis über die Entwicklung von MVZ schaffen. Teilnehmende MVZ erhalten ein persönlichen Feedbackbericht zu ihrem MVZ sowie eine Aufwandsentschädigung von 350 EUR, sofern sie den Fragebogen finalisieren. Bei der Entwicklung des Fragebogens stand der BMVZ dem Zi beratend zur Seite; das Ziel der Erhebung kann jedoch nur erreicht werden, wenn möglichst viele MVz sich beteiligen.
Wir vom BMVZ möchten daher alle Inhaber-Ärzte und MVZ-Träger dringlich aufrufen, sich zu beteiligen. Die MVZ-individuellen Zugangsdaten lassen sich über die Projektwebseite unkompliziert online anfordern (Link zum Kontaktformular).

Berufshaftpflicht soll Zulassungskriterium werden
Gesetz schreibt Mindestsumme für Berufshaftpflicht­versicherung fest
Eine Mindestversicherungssumme von drei Millionen Euro für Personen- und Sachschäden für jeden Versicherungsfall von Ärzten, die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen, sieht der Referentenentwurf eines neuen Gesetzes aus dem BMG vor. Die abgeschlossene Versicherung soll damit zu einer weiteren Voraussetzung für Erwerb und Erhalt der Zulassung werden. Entsprechende Nachweise müssten beim Zulassungssauschuss vorgelegt werden. Andernfalls kann die Zulassung zum Ruhen gebracht, oder gar nicht erst erteilt werden.
Unabhängig davon, dass bereits über das Berufsrecht entsprechende Vorschriften zur Versicherungen der angestellten und niedergelassenen Ärzte bestehen, hatte der Bundesgerichtshof in einer Entscheidung das Fehlen einer systematischen Kontrolle dieser Vorgabe moniert. Dem soll mit dem vorliegenden Regelungsvorschlag, der noch vor Sommer 2021 in Kraft treten könnte, abgeholfen werden.

BSG zur Honorarabstaffelung bei Teilzulassungen
Teilzulassungen dürfen bei der Honorarverteilung nicht benachteiligt werden
Das BSG stellte im Juli 2020 in einem Urteil, zu dem kürzlich die Entscheidungsgründe erschienen sind, fest, dass eine strengere Abstaffelung von Ärzten mit einem halben Versorgungsauftrag gegenüber Ärzten mit einem vollen Versorgungsauftrag nicht rechtmäßig ist. Strittig war das Vorgehen der KV-Schleswig-Holstein, nachdem Ärzte mit halbem Sitz, die ihre Durchschnittsfallzahl überschritten, einer 90-prozentigen Abstaffelung unterlagen, während bei Ärzten mit vollem Sitz nur eine 25-prozentige Kürzung bei einer Überschreitung ab 50 Prozent griff.
Die Ärzte mit einem halben Versorgungsauftrag wurden laut höchstrichterlicher Entscheidung in nicht gerechtfertigter Weise nachteilig behandelt. Entweder müssten für Voll- und Teilzeitärzte, die gleich Verschärfungen gelten oder eben die abgeschwächte Variante. Es ist davon auszugehen, dass die Entscheidung auch bei ähnlichen Regelungen in anderen KVen Wirkung entfaltet.

Laborkapazitäten
Rückstau in Laboren wird größer, neuer Höchststand bei Neuinfektionen
Immer mehr Labore kommen an ihre Auslastungsgrenze: Die Zahl der Labore mit einem Probenrückstau ist innerhalb von einer Woche von 52 auf 59 gestiegen. Der Rückstau an Tests beträgt mittlerweile (Stand 01.11.) knapp 100.000 Test. Probleme bereiten hier vor allem die insgesamt steigenden Testzahlen sowie die Beschaffung von Reagenzien und Laborausstattung. Damit die Labore entlastet werden hat das RKI seine Teststrategie angepasst und empfiehlt eine strengere Anwendung von Kriterien.

MFA fordern mehr Lohn
Tarifverhandlungen für Medizinische Fachangestellte angelaufen
150 € mehr Lohn fordern MFA für die Tätigkeitsgruppe I in allen Be­rufsjahrgruppen zu beginn der Tarifverhandlungen mit den ärztlichen Arbeitgebern. Da MFA in Krankenhäusern deutlich mehr Geld verdienen (Durchschnittlich 400 € pro Monat in den ersten drei Berufsjahren) wandern immer mehr aus dem ambulanten in den stationären Bereich ab. Dieser Trend soll mit einer Lohnangleichung gestoppt werden.

PKV ziehen bei ePA nach – KBV bremst
(1) PKV bereitet sich auf ePA-Einstieg vor
(2) KBV-Vorstand plädiert für digitale Entschleunigung
(1) Obwohl die Anbieter von privaten Krankenversicherungen nicht zur Einführung einer ePA verpflichtet sind, gewinnt das Thema an Bedeutung. Die Signal Iduna beginnt mit der Entwicklung einer eigenen ePA, die sie anderen privaten Krankenkassen zur Verfügung stellen will. Vor allem geht es darum gegenüber den GKVen konkurrenzfähig zubleiben. (2) Die KBV arbeitet hingegen weiterhin daran die Einführung der ePA hinauszuzögern. Aus ihrer Sicht sind die technischen Anforderungen für die Ärzte nicht haltbar. Vor allem mit dem Hintergrund der immernoch zu bewältigenden Corona-Pandemie.

KW45: Was war neu und wichtig (02.11. - 08.11.)
Wichtig im PraxisalltagNachrichtenWas sonst noch relevant ist
  • Telefonkonsultation ab sofort wieder für alle Fachgruppen
    Aufgrund des Corona-Geschehens haben sich Kassen und KBV am Freitag geeinigt, dass ab Montag, den 2. November von allen Fachgruppen wieder die GOP 01433 (154 Punkte / 16,92 Euro) sowie die GOP 01434 (65 Punkte / 7,14 Euro) abgerechnet werden kann. Wie im Frühjahr gibt es dabei wieder unterschiedlich hohe „Telefon-Kontingente“ für die einzelnen Fachgruppen – die aufgrund der Kurzfristigkeit des Beschlusses noch nicht vorliegen. Psychotherapeuten, Hausärzte und Ärzte anderer Fachgruppen, die die GOP 01433 und 01434 als Zuschlag zur Versicherten- beziehungsweise Grundpauschale erhalten, können die Leistungen selbst dann abrechnen, wenn der Patient in dem Quartal bereits in der Sprechstunde war.
    ÄrzteZeitung v. 1.11.2020
    Telefonische Betreuung wird im EBM wieder aufgewerte

    Mitteilung der KBV
    Mehr Konsultationen per Telefon ab Montag wieder möglich
  • Sonderregelungen bei veranlassten Leistungen:
    Zahlreiche Corona-Erleichterungen ab sofort gültig
    Fast alle Sonderregelungen, die bereits im Frühjahr aufgrund der Coronavirus-Pandemie für veranlasste Leistungen galten, treten ab 2. November bundesweit wieder in Kraft, um den Praxisbetrieb zu entlasten. Die Sonderregelungen betreffen u.A. Videobehandlungen wenn diese prinzipiell möglich sind (bspw. bei Logopäden) und Folgeverordnungen für häusliche Krankenpflege. Es gilt auch wieder, dass Hilfs- und Heilmittel nach telefonischer Anamnese ausgestellt werden dürfen, udn dass Heilmittel-Verordnungen auch dann gültig bleiben, wenn es zu einer Leistungsunterbrechung von mehr als 14 Tagen kommt. Die Frist zur Vorlage von Verordnungen bei der Krankenkasse wird für häusliche Krankenpflege, spezialisierte ambulante Palliativversorgung und Soziotherapie von 3 Tagen auf 10 Tage verlängert.
    GBA-Übersicht zu allen aktuellen Sonderregelungen
    Bundesweite Sonderregelungen wg. Corona

    Mitteilung der KBV
    Veranlasste Leistungen: G-BA beschließt bundesweite Sonderregelungen
  • eAU: KBV fordert späteren Starttermin
    Noch immer ist unklar, wann die eAU verpflichtend wird – obwohl seit Sommer eine Veschiebung auf das zweite Halbjahr 2021 diskutiert wird. Aus Sicht der KBV gäbe es sowohl auf der Empfängerseite der Krankenkassen Probleme bei der Übermittlung, die Konnektoren müssten alle rechtzeitig geupdatet werden und bei der Auslieferung der neuen eHBA kommt es ebenfalls zu Lieferschwierigkeiten. Dennoch hat der GKV-Spitzenverband der Verschiebung bisher nicht zugestimmt. Auf die Probleme und unklaren Fristen im Kontext der Beschaffung und Einführung der eHBA, die für die Ausstellung der eAUs notwendig sind, ist der BMVZ bereits in einer eigenen Analyse eingegangen. Dort wird zudem insbesondere auf die möglichen Probleme im Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis bei angestellten Ärzten eingegangen.
    KBV-Mitteilung v. 29. Oktober
    eAU: KBV drängt auf neuen Starttermin

    BMVZ-Analyse v. 12. Oktober
    eHBA: Arbeitshilfe für MVZ und BAG
  • Dosisangabe auf Rezepten: Ab sofort Pflicht auf Muster 16
    Die bisher freiwillig erprobte Angabe der Dosierung auf Rezepten verschreibungspflichtiger Medikamente ist seit dem 1.11.2020 verpflichtend. Da das Fehlen der Angabe künftig ein Retax-Grund ist, werden Apotheker Rezepte ohne kaum noch einlösen – auch wenn die Dosierangabe ausnahmsweise auch vom Apotheker ergänzt werden darf; falls die Dosierung zweifelsfrei bekannt ist. Die Eingabe der Dosierung erfolgt über die Verordnungssoftware. Alternativ kann der verschreibende Arzt auch auf eine schriftlich übermittelte Anwendungsanweisung (wie bei BTM-Rezepten) verweisen oder einen Medikationsplan aushändigen und dies mittels des Kürzels ‘Dj’ – die Abkürzung für ‘Dosierung Vorhanden: ja’ – vermerken.
    Ärzteblatt v. 26. Oktober
    Dosierungsangaben auf Verschreibungen verpflichtend

    Apotheke Adhoc v. 23. Oktober
    Die Dj-Rezepte kommen

DiGA – Drei neue Apps zugelassen
(1) DiGA-Verzeichnis | Verordnung: Wie geht’s?
(2) Die ersten DiGA auf Rezept: Kassenabrechnung & Privatrechnung
Das DiGA-Verzeichnis (1) wurde um drei neue Apps erweitert und zählt damit jetzt fünf Apps auf, die von Ärzten zulasten der GKV verschrieben werden können. Neu in das Verzeichnis aufgenommen wurden die Anwendungen „somnio“ (PZN 16898724) zur Behandlung nichtorganischer Insomnie (F51.0), „Vivira“ (PZN 16898718) ist zur Anwendung bei Rücken-, Knie- und Hüftschmerzen gedacht (verschiedene ICD-Schlüssel) sowie „zanadio“ (PZN: 16898701I), die der Therapieunterstützung Erwachsener mit Adipositas (E66) dient.
Die Medical Tribune vom 29. Oktober (2) beschäftigt sich darüberhinaus mit der Frage, wie Ärzte DiGAs bei Privatpatienten korrekt ansetzen und zur Abrechnung bringen. Solange keine Entscheidung zum Honorar vorliegt, können demnach Versicherte ärztliche Leistungen, die für die Versorgung mit oder zur Erprobung der DiGA erforderlich sind, per Kostenerstattung in Anspruch nehmen. Die BÄK empfiehlt z.B. für die „Verordnung und ggf. Einweisung in Funktionen bzw. Handhabung sowie Kontrolle der Messungen zu digitalen Gesundheitsanwendungen” den analogen Ansatz der Nr. 76 GOÄ (9,38 Euro bei 2,3-fachem Satz).

Notfallreform
Gesetzesvorhaben um ambulante Notfallbehandlung sorgt für neuen Ärger
Der letzten Donnerstag veröffentlichte Referentenentwurf eines Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungs­ge­set­zes (GVWG) greift erneut die bestehenden Probleme bei der ambulanten Notfallversor­gung auf. U.a. ist darin ein standardisiertes Ersteinschät­zungs­verfahren für die ambulante Notfallbehandlung im Krankenhaus vorgesehen, wel­ches von der KBV erarbeitet werden soll. Dies lehnt die Deutsche Krankenhausgesellschaft entschieden ab. Die Tatsache, dass die geplanten gesetzlichen Vorgaben nur für die medizinisch geleite­ten Ambulanzen der Krankenhäuser und nicht für die der Vertragsärzte gelten sollen, mache diese Initiative aus dem BMG in besonderer Weise unverständlich, so die DKG.
Darüber hinaus soll mit dem Gesetz der Zugang zur Terminvermittlung durch die Termin­servicestellen nach Vorstellung in der Notfallambulanz durch Wegfall des Überweisungs­erfordernisses erleichtert werden. Zudem sollen Terminservicestellen verpflichtet werden, auch kurzfristige ärztliche Tele­fonkonsultationen zu gewährleisten. Hierbei könnten, so heißt es in der Gesetzesbe­grün­dung, die Terminservicestellen die Konsultation entweder selbst durch eigenes ärztliches Personal durchführen oder kurzfristige Rückrufmöglichkeiten anderweitig, etwa im Wege von Kooperationen mit Arztpraxen, sicherstellen.

Vorbericht zum Zi-Praxis-Panel
Fortgesetztes Umsatzwachstum der Praxen bei weniger Jahresüberschuss
Der Vorbericht des Zi-Praxis-Panels attestiert den Arzt- und Psychotherapiepraxen einen wirtschaftlichen Szunbstanzverlust, der seit 2017 anhält. Kostentreiber für Praxen seien vor allem die steigenden Personalkosten und die erhöhten Aufwendungen für die Wartung und Anschaffung von IT-Geräten. Die Kosten für diese beiden Posten sind demnach um ca. 20 % (Personal) und 28 % (IT) gestiegen. In Kombination mit der höheren Inflation würden dadurch die steigenden Einnahmen praktisch aufgezehrt.
Um ähnlich aussagekräftige Daten für die Situation der MVZ zu erhalten, hat der BMVZ mit dem Zi ein an das ZiPP angelehntes MVZ-Panel entwickelt, dessen aktuelle Erhebungsrunde gerade läuft. Alle MVZ sind aufgerufen, sich zu beteiligen. Die Teilnahme wird je MVZ mit 350 € vergütet. Informationen zum Zi-MVZ-Panel und die Möglichkeit, Teilnahmedaten unkompliziert nachzufordern, sollten ein MVZ kein Schreiben des Zi erhalten haben, finden Sie hier.

Ärztevertreter gegen Politik?
Die Angst der Ärzte vor der Corona-Panik
Sowohl KBV-Chef Gassen als auch Ärtzekammerpräsident Reinhardt sind in den letzten Wochen wegen Äußerungen zur Bewertung und Entwicklung der Corona-Pandemie in die Kritik geraten. Der Vorwurf: Sie würden Corona verharmlosen. Der Tagesspiegel geht in einer ausfühlichen Analyse dem Spannungsverhältnis zwischen niedergelassenen Ärzten und der Politik nach.
Die These: Während Ärzte versuchen den Patienten die Angst vor der Krankheit zu nehmen, versucht die Politik zu vermitteln, etwas gegen die Krankheit tun zu können. Daraus ergeben sich laut dem Autor Konflikte, die in den kommenden Wochen und Monaten sogar noch zunehmen werden.

Drittes Digitalisierungsgesetz
Neues Gesetz: Erleichterungen rund um die Videosprechstunde geplant
Aus dem Eckpunktepapier des BMG für das geplante dritte Digitalisierungsgesetz sind neue Details bekanntgeworden: So sollen Videosprechstunden künftig im Umfang von bis zu 30 Prozent (bis 20%) erbracht werden dürfen und geregelt werden, Leistungen, die per Videosprechstunde erbracht werden, hälftig auf die Sprechstundenverpflichtung angerechnet werden, d.h. mit einer Viedosprechstunde von zwei Stunden Dauer würde eine Stunde der 25-Wochenstunden-Sprechstundenverpflichtung erfüllt. Zudem soll künftig Videotermine auch über die Terminservicestellen vermittelt werden.
Insgesamt befindet sich das Gesetzesverfahren, mit dem nach dem Eckpunktepapier (Volltext als PDF) an sehr vielen Elementen der digitalen Gesundheitsversorgung nachjustiert werden soll, jedoch noch in einem sehr frühen Stadium. Es ist jedoch davon auszugehen, dass darauf hingearbeitet wird, es vor Sommer 2021 umzusetzen.

Corona-Prävention in Praxen
Antigentests auf SARS-CoV-2: Der Preis der Schnelligkeit
Die neue Nationale Teststrategie sieht vor, Antigentests einzusetzen, um asymptomatische Personen mit einer SARS-CoV-2-Infektion aufzuspüren. Dabei sind sie per se weniger sensitiv als der PCR-Test. Trotzdem besteht die Hoffnung, dass ihr Einsatz in der Coronapandemie einen Nutzen bringt.
„Möglich“ sind Antigentests im Rahmen eines (vermuteten) COVID-19-Ausbruchs, sei es lokal in der Allgemeinbevölkerung, in Krankenhäusern, Einrichtungen für ambulante Operationen oder Dialyse, Reha- und Pflegeheimen oder (Zahn-)Arztpraxen. Der Überblicksaufsatz trägt das Für- und Wider sorgfältig zusammen und erklärt die Funktionsweise dieser Tests, die auch beim ambulanten Praxispersonal präventiv zum Einsatz kommen sollen.

KW44: Was war neu und wichtig (26.10. - 01.11.)
Wichtig im PraxisalltagNachrichtenWas sonst noch relevant ist
  • EBM-Änderung: NäPa-Besuche abrechnen
    Mit der Wirkung zum ersten Oktober 2020 wurde eine EBM-Änderung zur Abrechnung von NäÜA-Besuchen beschlossen. Sie besagt, dass die NäPA-Besuche auch dann abgerechnet werden können, wenn der Arzt-Patientenkontakt im Vorquartal in der Praxis oder per Videosprechstunde persönlich stattgefunden hat. Dafür wurden die Kapitel 3.2.1.2 (Versorgungsbereichsspezifische Vorhaltung, ärztlich angeordnete Hilfeleistungen) und 38.3 (Ärztlich angeordnete Hilfeleistungen von qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten) angepasst.
    Mitteilung der KV-Hessen:
    EBM-Änderung 1. Oktober 2020
  • Neue Corona-Testverordnung:
    Testung von asymptomatischen Personen
    Im Rahmen der neuen Testverordnung des BMG können auch asymptomatische Personen auf das Corona-Virus getestet werden. Dafür bedarf es keiner Veranlassung mehr durch den OEGD. Die Testung kann von dem Vertragsarzt selbst veranlasst werden und gilt für Personen, die Kontakt zu einer positiv getesteten Person hatten. Der Abstich wird mit 15 EUR vergütet, die Abrechnung erfolgt über die jeweilige KV.
    KBV-Praxisinformation:

    PraxisInfo: Coronatests bei asymptomatischen Personen – häufige Fälle in der Arztpraxis (Stand: , PDF, 396 KB)
  • Neue Corona-Testverordnung:
    Testung von Reiserückkehrern aus Risikogebieten
    Das BMG hat klargestellt, dass eine Testung von Personen, die aus einem ausländischen Risikogebiet einreisen, keiner Veranlassung des OEGD bedarf. In einer vorherigen Fassung der Testverordnung war dies noch gegeben. Für Reiserückkehrer reicht es, dem jeweiligen Arzt den Boardingpass oder eine Hotelrechnung vorzulegen, um einen entsprechenden Test zu bekommen.
    KBV-Praxisnachrichten:

    Tests von Reiserückkehrern aus dem Ausland sind ohne Veranlassung des ÖGD möglich
  • Notfalldatensatz: Aufwertung für EBM-Position 01640
    Mit Inkrafttreten des PDSG wird die EBM-Position 01640 für die Anlage eines Notfalldatensatzes auf der eGK vom Punktwert verdoppelt. Für die Anlage durch den Arzt werden nun 160 Punkte veranschlagt, was 17,58 EUR entspricht. Voraussetzung für die Anlage und Abrechnung ist, dass der TI-Konnektor auf die entsprechenden Anwendungen geupdatet wurde und ein elektronischer Heilberufsausweis (eHBA) zur Signatur vorliegt.
    Beschluss des Bewertungsauschuss:
    Änderung der Bewertungen der Gebührenordnungsposition 01640

Drittes Digitalisierungsgesetz
Mehr Videosprechstunden und Öffnung der TI ins Ausland
Nach dem Digitale Versorgung Gesetz und dem Patientendatenschutzgesetz, plant Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bereits das dritte Digitalisierungsgesetz. In einem Arbeitspapier des BMG wird das Vorhaben wie folgt umrissen: Videosprechstunden sollen auch außerhalb der normalen Sprechstundenzeiten angeboten und abgerechnet werden können, elektronische Krankschreibungen sollen auch nach ausschließlich telemedizinischer Behandlung erfolgen können, Videosprechstunden sollen auch auf andere Gesundheitsberufe, wie auf Hebammen erweitert werden und die TI soll EU-weit geöffnet werden und Notfallsanitäter sowie Hilfsmittelerbringer, angeschlossen werden. Außerdem sollen ab 2022 alle kartenbasierten Anwendungen durch andere Technik ersetzt werden.

Neuer TI-Konnektor vor der Zulassung; Klagen in Bayern
1. Feldtest des dritten Konnektor-Anbieters kurz vor Abschluss
2. BFAV bietet Musterklagetext an
(1) Während in der Region Westfalen Lippe der Feldtest für einen neuen Konnektor der Firma RISE kurz vor dem Abschluss steht und damit das Angebot um eine zusätzliche Firma erweitert wird (bisher zugelassene Konnektoren von: CGM und secunet), bereitet der (2) Bayrische Hausärzteverband klagen den Honorarabzug bei der Verweigerung des TI-Anschlusses vor. Der Verband stellt dafür einen Musterklagetext bereit, der von Praxen in Bayern genutzt werden kann.

Erklärung zu Alltagsmasken
Gemeinsame Erklärung soll Klarheit schaffen
Nachdem der Präsident der Bundeärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt in einer Talkshow, die Wirksamkeit von Alltagsmasken angezweifelt hat erntete er für seine Aussagen viel Kritik. Unter anderem forderte der SPD-Gesundheitspolitik Dr. Karl Lauterbach seinen Rücktritt, würde er seine Aussagen nicht zurücknehmen. In einer gemeinsamen Erklärung der BÄK, Landesärztekammern und Fachgesellschaften wird nun die Wirksamkeit der Masken zum Eigen- und Fremdschutz betont. Mit der Maßnahme wird versucht den Druck auf den Kammerpräsident zu minimieren und sich in der Frage klar zu positionieren.

Elektronischer Heilberufsausweis
Der elektronische Heilberufsausweis – Einführung, Fristen und Kosten
Mit dem elektronischen Heilberufsausweis (eHBA), wird eine weitere Komponente für den TI-Ausbau und Anschluss demnächst verpflichtend. Das gilt für alle an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten, aber auch für Krankenhäuser im Rahmen des Entlassmanagements. Welche Fristen allerdings zu beachten sind, wer bei angestellten Ärzten zuständig ist und welche Kosten entstehen, sind Fragen, auf die eine Antwort zu finden, nicht ganz leicht ist. In einer BMVZ-Arbeitshilfe werden die wichtigsten, verfügbaren Informationen zusammengetragen.

Personalkostenquote in der Praxis
Überblick nach Fachgruppen
Wie viel Prozent der Kosten sollten für das eigene Personal in der Praxis aufgewendet werden, wann sorgen steigende Personalkosten für ein Rentabilitätsproblem? Diesen Fragen hat sich das Unternehmen Rebmann Research gewidmet und eine Zusammenstellung bereitgestellt. Die Übersicht ist nach einzelnen Fachgruppen gegliedert und gibt einen durchschnittlichen Wert für Personalkosten an, sowie einen sehr guten, normalen, überprüfbaren sowie kritischen Wert für die einzelne Fachgruppe an. Die Zahlen können als Richtwert genutzt werden, um die eigene Einrichtung zu prüfen, jede Einrichtung sollte aber individuell geprüft und betrachtet werden.

Betriebsbedingte Kündigungen
Kündigung in der Krise: Trotz Corona weiterhin hohe Hürden
Trotz der anhalten Corona-Krise bleiben die Hürden für betriebsbedingte Kündigungen hoch. Diese sind nur möglich, wenn die Praxis nachweisen kann, dass auch in Zukunft weiterhin Patienten der Praxis fernbleiben werden und dadurch die wirtschaftliche Situation der Praxis gefährdet ist. Ebenso muss beachtet werden, dass eine Weiterbeschäftigung auch nach einer möglichen Umstrukturierung der Praxis nicht möglich ist. Im Falle einer rechtlichen Auseinandersetzung werden Gerichte nun voraussichtlich ein besonderes Augenmerk auf die nach wie vor geltende Möglichkeit von Kurzarbeitergeld legen. Die betriebsbedingte Kündigung bleibt also weiterhin das letzte Mittel der Wahl.


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