Praxisorganisation in Zeiten von Corona

Im Praxisalltag gibt es viel zu beachten und wenig Zeit, Informationen zu suchen. Deshalb sammeln wir hier wöchentlich aus verschiedenen und zuverlässigen Quellen Informationen und Beschlüsse für den ambulanten Praxisbetrieb und fassen sie kompakt für Sie zusammen.

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Was diese Woche neu und wichtig ist
(Stand KW 8)

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Was diese Woche neu und wichtig ist (Stand 22.02.2021)

Wichtig im PraxisalltagNachrichtenWas sonst noch relevant ist
  • Digitalisierungsagenda: Was steht 2021 für Praxen an?
    Viele Praxen sind nicht nur von der Digitalisierung an sich überfordert, sondern vor allem auch von der mangelhaften Kommunikation der KVen. Zumindest, was die Fristen betrifft, hat daher die KBV versucht, mit einer Pressekonferenz gezielt Klarheit zu schaffen. Benannt wurden folgende Zielmarken: 1. April – IT-Sicherheitsrichtlinie muss in allen Praxen umgesetzt werden. 1. Juli – Alle Praxen müssen technisch in der Lage sein, die ePA zu befüllen. 1. Oktober – Die AU muss digital an die Krankenkassen übermittelt werden. Für die digitalen Anwendungen ePA und eAU benötigen alls Ärzte/Psychotherapeuten einen persönlichen eHBA (~ Arbeitshilfe des BMVZ für Arbeitgeber). Zur Deutung, was die IT-Sicherheitsrichtlinie für die Praxis bedeutet, gibt es ebenfalls eine Ausarbeitung (~ IT-Sicherheitsrichtlinie – Was soll das?)
    KBV-Mitteilung v. 11.02.2021:
    Agenda 2021: Das steht an bei der Digitalisierung

    ÄrzteTag v. 19.02.202:
    Gespräch mit IT-Experte Gilbert Mohr von der KV Nordrhein
  • Homeoffice für MFAs als überlegenswerte Alternative
    Der Praxis­alltag lebt von der Interaktion mit Patienten, folglich wird automatisch geschlossen, MFA können nicht ins Homeoffice geschickt werden. Dass diese Annahme – zumindest teilweise – voreilig ist, erläutert die stellv. Leiterin des Referats MFA im Verband medizinischer Fachberufe (VmF). Vor allem Tätigkeiten, die Konzentration erfordern, können dort erheblich schneller abgearbeitet werden“, erzählt sie, worduch auch mehr Kapazitäten für weitere Aufgaben freiwürden. (Datenschutz-)Technisch gesehen mache das Arbeiten zu Hause keinen Unterschied, wenn eine sichere VPN-Verbindung eingerichtet würde und sichergestellt wird, dass Daten ausschließlich auf dem Server gespeichert und Dokumente oder Rezepte nur in der Praxis gedruckt werden. Der Bericht öffnet neben den vielen ‘Abers’ den Blick auf die Möglichkeiten – auch über Corona hinaus.
    Medical Tribune v. 18.02.2021
    Homeoffice für MFA – eine einfache und wirtschaftliche Alternative

    Ärztezeitung v. 26.01.2021
    MFA im Homeoffice: Berufspolitisch heikel!
  • Hepatitis B/C-Screening als Teil des Check-Ups
    Versicherte ab 35 Jahren haben künftig einmalig den Anspruch, sich auf die Viruserkrankungen Hepatitis B und C als Bestandteil des sogenannten Check-Ups testen zu lassen. Das beschloss bereits im November der GBA (~ Pressemitteilung v. 20.11.2020) – jetzt liegt auch die Genehmigung des BMG vor. Damit sollen unentdeckte, weil zunächst symptomlos oder schleichend verlaufende Infektionen mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) oder Hepatitis-C-Virus (HCV) erkannt werden. Aber Achtung: Die zusätzliche Laborleistung kann erst abgerechnet werden, wenn der Bewertungsausschuss die Leistung in den EBM aufgenommen hat, was bis zum Herbst 2021 dauern kann.
    Dt. Krebsforschungsinstitut v. 17.12.2020
    Neu ab 35: Test auf Hepatitis B und Hepatitis C

    Mitteilung der KBV v. 18.02.2021
    Check up: Screening auf Hepatitis für Versicherte ab 35 Jahren

MVZ-Panel des Zi – Ergebnisse veröffentlicht
Analyse zu MVZ-Ärzten: Teilzeit, jung und hohe Wechselbereitschaft
Zum MVZ-Panel des Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi), dessen dritte Erhebungsrunde gerade bis zum 15. März 2021 verlängert wurde (~ Was | Wie | Warum – Teilnahmeaufruf an alle MVZ), wurden neue Analyse veröffentlicht. So gaben drei Viertel der an der Befragung teilnehmenden Einrichtungen zu Beginn des Jahres 2019 an, die eigene Gesamtsituation als „eher gut“ bzw. „gut“ ein, die Höhe des Jahresüberschusses hingegen bewertete nur etwa die Hälfte der Antwortenden als gut. Gleichzeitig wurde eine vergleichsweise hohe Fluktuation des ärztlichen Personals festgestellt. Die Abwanderungsraten waren im vierten Quartal 2017 mit 3,3 % rund drei Mal so hoch wie bei niedergelassenen Praxen. Den MVZ-Jahresbericht 2020 und eine Kurzfassung der zentrale Ergebnisse ist auf der Zi-Homepage einsehbar.

Patientendatenschutz
Versand personenbezogener Daten via Telefax nicht mehr datenschutzkonform
Eigentlich wissen es alle: Faxen ist ungefähr so sicher, wie eine Postkarte schicken. Trotzdem nutzen nach wie vor viele Praxen diesen Weg. Eine aktuelle Klarstellung des Landesbeauftragten der Hansestadt Bremen für Datenschutz lenkt jetzt erneut Aufmerksamkeit auf diese Problematik. Ein Fax hat hinsichtlich der Vertraulichkeit das gleiche Sicherheitsniveau wie eine unverschlüsselte E-Mail. Dafür sorgen technische Änderungen in den Telefonnetzen, da – anders als bisher – keine exklusiven Leitungen mehr genutzt werden, sondern die Daten paketweise in Netzen transportiert werden, die auf Internet-Technologie beruhen. Für den Versand personenbezogener Daten müssten daher sichere Verfahren wie z. B. Ende-zu-Ende verschlüsselte E-Mails oder auch die herkömmliche Post genutzt werden.

Honorareinbußen durch Corona
Vertragsärzte wollen Ausweitung des Coronaschutzschirmes
Immer noch ungeklärt ist, ob und wie der Honorarschutzschirm der MVZ und vertragsärzte verlängert wird. Diskutiert wird eine ab Januar rückwirkende Regelung, die im Rahmen des geplanten Gesetzes zur Fortgeltung der die epidemische Lage von nationaler Tragweite betreffenden Regelungen getroffen werden soll. Am Montag, den 22. Februar ist eine Anhörung im bundestag angesetzt. Am 4. oder 5. März soll das Gesetz dann vom Bundestag verabschiedet werden. Im aktuellen Entwurf ist jedoch lediglich die Fortführung der Ausgleichszahlungen für Arztpraxen, die MGV betreffend, vorgesehen. Dagegen wehren sich zahlreiche Arztverbände, da insbesondere Berugsgruppen mit hohen EGV-Anteilen, die wie etwa die operativen Fächer besonders von Fallzahlrückgängen betroffen sind, im Regen stehengelassen würden. Aktuell ist offen, wie sich die Debatte entwickeln wird.

Arbeitsrecht
Schluss mit der Willkür nach Gutsherrenart
Arbeitgeber haben ein allgemeines Weisungsrecht, das jedoch, wie bei Ärzten zusätzlich beschränkt sein kann. Nichtärztliche Geschäftsführer beispielsweise dürfen keine medizinischen Weisungen erteilen. Nichtig sind Weisungen auch, wenn sie gegen ein gesetzliches Verbot oder missbräuchlich sind. Schwieriger ist die Abgrenzung, wenn es um „unbillige Weisungen“ geht. Einen solchen Fall hatte das Bundesarbeitsgericht kürzlich zu entscheiden. Mit dem Urteil stellt das BAG die „Waffengleichheit“ zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in der Frage des Weisungsrechts wieder her. Zwar bleibt dem Arbeitgeber das Weisungsrecht erhalten. Doch ist er an Recht und Gesetz im Sinne des „billigen Ermessens“ gebunden. Nach der neuen Rechtsprechung können Arbeitgeber nicht länger ohne Folgen absichtlich unbillige Weisungen erteilen, um Sachverhalte für Kündigungen zu schaffen.

Kräftemessen innerhalb der Gematik
Veröffentlichung des TI-Whitepapers sorgt für harsche Kritik
Bereits im Januar hatte die Gematik ein sogenanntes White-Paper vorgelegt, mit dem Eckpunkte zur geplanten Weiterentwicklung der Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) diskutiert werden sollten. Auf Basis dieses Ideenpa­piers wollte man unter dem Schlagwort TI 2.0 in den Fachaustausch zum „Technologiesprung“ gehen. In der Gematik sind neben dem BMG als Mehrheitsgesellschafter auch Bundes­ärzte­kammer, Deutsche Krankenhausgesellschaft und Apothekerverband, KBV und GKV-Spitzenverbands sowie der Verbands der Privaten Kran­ken­ver­siche­rungen vertreten. In einem gemeinsamen Brief fordern diese nun, dass die Gematik klarstellt, dass das veröffentlichte Whitepaper als eine „nicht mit den Ge­sellschaftern abgestimmte Ideensammlung“ der Gematik zu verstehen ist.
Was akademisch wirkt, hat einen wichtigen politischen Hintergrund: Wie relevant sind die Vertreter der selbstverwaltung im Gesundheitswesen in dem Gremium, wenn das BMG seine Mehrheit ausspielt? Für den einzelnen Versorger ist diese Frage derzeit nicht praxisrelevant; für das System der Selbstverwaltung dagegen von höchster Bedeutung. ( ~ siehe auch TI-Gesellschafter gehen auf die Barrikaden)

Berufsrecht
Ärzte als Coronaleugner – Razzien in Praxen
Auch in der Ärzteschaft gibt es Coronaleugner. Solange sie sich an die Vorschriften zum Infektionsschutz halten und in der Praxis nicht agitieren, ist ihre Meinung Privatsache. Wird jedoch die ärztliche Tätigkeit dadurch beeinflusst, kann das berufs- und strafrechtliche Konsequenzen haben. Nach einem Bericht über entsprechende staatsanwaltschaftliche Aktivitäten der letzten Wochen stellt der Artikel klar: In der Arztpraxis sollte politische Neutralität gewahrt werden. Das Verbreiten von Veröffent­lichungen politischen Inhalts ist zwar nicht explizit Gegenstand der Berufsordnung. Doch verpflichte diese die Ärzte, ihren Beruf gewissenhaft auszuüben und dem Vertrauen, das ihnen im Zusammenhang mit dem Beruf entgegengebracht werde, zu entsprechen. Das betrifft auch private Vorgänge unter dem Attribut „Arzt“, wie etwa im weißen Kittel und mit umgehängtem Stethoskop auf Querdenker-Demonstrationen aufzutreten. Die Ärztekammer Dresden, die hierbei zitiert wurde, geht von rund 50 Ärzten in ihrem Kammergebiet aus, die aktive Corona­leugner sind.

 

Die Meldungen der letzten Wochen

KW 7: Was war neu und wichtig (15.02. - 21.02.2021)
Wichtig im PraxisalltagNachrichtenWas sonst noch relevant ist
  • Corona-Testverordnung: Testung auf Mutationen
    Ärzte können durch eine Änderung der Corona-Testverordnung nun spezifische Tests auf die neuen Corona-Varianten B.1.1.7., B.1.351 und B1.1.28 veranlassen. Nach einem positiven Corona-PCR-Test können die Tests beim durchführenden Labor in Auftrag gegeben werden. Dies bietet sich bei schweren und unerwarteten Verläufen an, oder wenn der Patient sich in einem Land mit einer hohen Häufung der neuen Varianten aufgehalten hat. Außerdem können sich angehörige nicht-ärztlicher Heilberufe sowie deren Mitarbeiter präventiv auf das Corona-Virus testen lassen.
    KBV:
    Corona-Virusvariante: Abklärung bei positivem PCR-Test jetzt möglich

    AAA Abrechnung aktuell:
    “Mutanten-Test” nach positivem Corona-Test
  • Technikpauschale für Kartenterminals und Konnektor-Update
    Nachdem sich KBV und GKV nicht auf eine Erstattung für Kartenterminals und Konnektoren-Updates im Gemeinsamen Bundesausschuss einigen konnten, hat das Bundesschiedsamt neue Pauschalen für die Finanzierungsvereinbarung der TI vorgeschlagen. Die anfallenden Kosten für die notwendigen Updates zur Verwendung der ePA und des eRezeptes sollen damit abgegolten werden.
    Für zusätzliche stationäre Kartenterminals, die für das Notfalldatenmanagement und den elektronischen Medikationsplan in den Behandlungsräumen notwendig sind, erhalten Praxen eine Pauschale von 595 Euro.

    550 Euro erhalten Praxen für das Konnektor-Update, zur Nutzung der ePA und des eRezeptes. Die Pauschale teil sich auf 400 Euro für das Konnektor update und eine ePA-Integrationspauschale in Höhe von 150 Euro für die PVS-Anpassung auf. Zusätzlich erhöht sich die Betriebskostenpauschale um 4,50 Euro pro Quartal. Zur Nutzung des eRezeptes wird eine weitere Pauschale in höhe von 120 Euro für die Anpassung des PVS-Systems veranschlagt. Die Betriebskostenpauschale wird um 1 Euro pro Quartal erhöht.
    KBV:
    Neue Technikpauschalen für TI-Anwendungen – Erstattungsbeträge für Kartenterminals angepasst

    KBV:
    Übersicht TI-Finanzierung
  • Abrechnungsausnahme bei der ASV
    telefonische Beratung bis 31.03.2021 abrechenbar
    Ein bereits im Dezember vom GBA gefasster Beschluss wurde endlich vom BMG genehmigt. Für die telefonische Beratung können ASV-Teams demnach rückwirkend ab dem 2. November 2020 die Gebührenordnungspositionen 01433 und 01434 abrechnen. Der Gemeinsame Bundesausschuss hatte den Behandlungsumfang für die erkrankungsspezifischen Anlagen der ASV-Richtlinie entsprechend ergänzt.
    Amtliche Veröffentlichung der geänderten Richtlinie
    Ausnahmeregelungen für die Aufnahme von Leistungen aufgrund der COVID-19-Pandemie

    Mitteilung der KBV v. 05.02.2021
    ASV: Telefonische Beratung bis März möglich

Beratungen über Verlängerung des Schutzschirmes
Schutzschirm für Praxen soll in abgespeckter Form verlängert werden
In einer ersten Beratung hat sich der Bundestag am 12. Februar mit der Verlängerung des Schutzschirmes für Praxen befasst. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass der ursprüngliche Schutzschirm, der im Januar ausgelaufen war, verlängert wird. Allerdings umfasst die Verlängerung keine extrabudgetäre Leistungen. Damit würden beispielsweise ausgefallene ambulante Operationen, Gesundheits- und Früherkennungs­unter­su­chungen, Mutterschaftsvorsorge und Impfungen nicht unter den Schutzschirm fallen. Ausgefallene Honorare dafür könnten nicht erstattet werden. Kritik an dieser Bemessung kommt unter anderem von der KBV dem, dem SpiFA und dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Sie fordern eine Ausweitung des Schutzschirms auf extrabudgetäre Leistungen. Der Gesetzesentwurf wird nun im Gesundheitsausschuss beraten. Dort können etwaige Änderungen noch in den Entwurf eingebracht werden, bevor es zur erneuten Abstimmung in den Bundestag geht.

IT-Sicherheitsrichtlinie
„Wir werden bei den Kassen auf eine Übernahme der Kosten drängen“
Die IT-Sicherheitsrichtlinie ist in Kraft. Ab ersten April müssen die Grundanforderungen der Richtlinie von den Praxen bereits umgesetzt sein. In welchem Umfang Praxen dabei Nachrüsten müssen, hängt jedoch maßgeblich von dem bisherigen Stand der IT-Sicherheit ab. Und: Die Finanzierung der Maßnahmen ist nach wie vor ungeklärt. Im Interview mit dem änd erklärt der KBV-Vorstand Kriedel allerdings, dass die gestiegenen Kosten für die IT-Sicherheit in den Verhandlungen mit den Krankenkassen im Sommer berücksichtigt werden sollen. Mit der Umsetzung der IT-Sicherheitsrichtlinie hat sich der BMVZ bereits in einer Arbeitshilfe befasst.

Corona-Impfung in Praxen
KBV erwartet Ansturm
Nach Berechnungen des Zi und der KBV könnten die Corona-Impfungen schon früher als ursprünglich gedacht in Praxen beginnen. Schon im März könnten die Kapazitäten in den Impfzentren nicht mehr für die dann vorhandene Menge an Impfstoff ausreichen. Die Verhandlungen über das Honorar für die Impf-Beratung und Verabreichung sowie die Dokumentation haben bereits begonnen. Die KBV schlägt vor, dass die täglichen Erst- und Zweit-Impfungen gemeldet werden. Es sei jedoch notwendig, dass der Aufwand so gering wie möglich ausfällt, da die Impfungen neben der Regelversorgung stattfinden muss.

Gesundheitsportal des BMG
Netdoktor stoppt Spahns Deal mit Google
Mit dem Portal gesund.bund.de will das Bundesgesundheitsministerium Bürger mit verlässlichen Gesundheitsinformationen versorgen. Damit die Informationen auch wirklich ankommen, ist das BMG eine Kooperation mit der Suchmaschine Google eingegangen, indem geregelt wurde, dass die Meldungen der Seite prominent bei der Suche platziert werden. Dagegen hatte das Portal Netdoktor geklagt, da es sich in seiner Wettbewerbsposition verletzt sah. Das Landgericht München gab dem Portal recht und untersagte die Kooperation auf Grund von Kartellrechtlichen bedenken.

Bedenken zum Datenschutz
Datenschützer über E-Patientenakte: „Alles andere als vertrauenswürdig“
Die ePA ist da. Die Diskussionen über den Datenschutz bleiben aber bestehen. Im Interview mit der taz erklärt Thilo Weichert, Vorstandsmitglied der Deutschen Vereinigung für Datenschutz, dass die jetzige ePA Datenschutztechnisch höst bedenklich ist. Wie viele andere zuvor, kritisiert er vor allem die fehlende granulare Freigabe der Daten. Immer wieder wird hier das Beispiel gebracht, ob der Zahnarzt beispielsweise die Daten des Psychotherapeuten sehen soll oder anders rum. Eine Lösung dafür soll erst im nächsten Jahr kommen. Laut Weichert ist dies ein “Experiment” an dem die Versicherten teilnehmen könnten, oder eben auch nicht.

Erhöhung des Mindestlohnes
Was der neue Mindestlohn für Praxen und Kliniken bedeutet
Nach der Anpassung des Mindestlohnes von 9,35 Euro auf 9,50 müssen Arbeitgeber in Praxen und MVZ darauf achten, dass angestellte Minijobber, die beispielsweise als Reinigungskraft oder Aushilfe arbeiten, nicht die vorgeschriebene Höchstgrenze von 450 Euro pro Monat mit ihren festgelegten Stunden erreichen. Bezahlt der Arbeitgeber dem Minijobber zu viel, müssen etwaige Nachzahlungen beispielsweise an die Rentenkasse alleine vom Arbeitgeber gezahlt werden. Deshalb ist es wichtig hier auf die korrekte Einhaltung der Stunden zu achten. Im Juni steht außerdem bereits die nächste Erhöhung auf 9,60 an.

KW 6: Was war neu und wichtig (08.02. - 15.02.2021)
Wichtig im PraxisalltagNachrichtenWas sonst noch relevant ist
  • Abrechnungsausnahme bei der ASV
    telefonische Beratung bis 31.03.2021 abrechenbar
    Ein bereits im Dezember vom GBA gefasster Beschluss wurde endlich vom BMG genehmigt. Für die telefonische Beratung können ASV-Teams demnach rückwirkend ab dem 2. November 2020 die Gebührenordnungspositionen 01433 und 01434 abrechnen. Der Gemeinsame Bundesausschuss hatte den Behandlungsumfang für die erkrankungsspezifischen Anlagen der ASV-Richtlinie entsprechend ergänzt.
    Amtliche Veröffentlichung der geänderten Richtlinie
    Ausnahmeregelungen für die Aufnahme von Leistungen aufgrund der COVID-19-Pandemie

    Mitteilung der KBV v. 05.02.2021
    ASV: Telefonische Beratung bis März möglich

  • Honorarschutzschirm für Vertragsärzte:
    Rückwirkende Verlängerung angekündigt
    Mit dem letzte Woche veröffentlichten Entwurf eines Gesetzes zur Fortgeltung der die epidemische Lage von nationaler Tragweite betreffenden Regelungen scheint (endlich) ein Rahmen gefunden, innerhalb dessen auch der Schutzschirm der ambulanten Praxen und MVZ nachgeregelt werden soll. Dieser war zum Jahresende 2020 ausgelaufen. Nach dem Entwurf soll er rückwirkend für das gesamte erste Quartal verlängert werden, jedoch nur die Honorare der MGV betreffend und als ‘Kann-Regelung’ gestaltet. Damit könnten die KVen weiterhin das von den Kassen zur Verfügung gestellte Gesamtbudget ausschütten, unabhängig davon, ob es ggf. durch gesunkene Fallzahlen nicht in voller Höhe von der Ärzteschaft abgerufen wird. Da die EGV von der Verlängerung nicht erfasst wird, ist ein Nachschießen der Kassen, wie noch 2020, dagegen nicht vorgesehen. Aber Achtung: Es handelt sich um ein Gesetzesentwurf – mit Änderungen muss gerechnet werden. Von der KBV wurde direkt Einspruch eingelegt. (~ Meldung v. 5. Februar)
    BMVZ-on-AIR v. 20.01.2021
    Wird der ambulante Schutzschirm 2021 fortgeführt?
    ÄrzteZeitung v. 03.02.2021
    Koalition sichert die Corona-Verordnungen gesetzlich ab

    Volltext des Gesetzesentwurfes (Vgl. Artikel 5)
    Entwurf eines Gesetzes zur Fortgeltung der die epidemische Lage von nationaler Tragweite betreffenden Regelungen
  • “Ärzte müssen sich Zeit nehmen.”
    Zur Rolle der Vertragsärzte bei der Impfaufklärung
    Ärzten kommt in der Frage um die Corona-Impfbereitschaft eine wichtige Rolle zu, erklärte kürzlich der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin Prof. Georg Ertl. Sie hätten eine politische Verantwortung – und müssten sich darum bemühen, die Menschen von der Immunisierung zu überzeugen. Um die Bedenken der Patienten zu zerstreuen, seien umfassende Gespräche nötig – was auch für Gespräche über bestimmte Medikamente gelte, an denen Patienten im Alltag zweifeln würden.
    Praktisch bedeutet das aber in allen Praxen eine permanente Abwägung zeitlicher und wirtschaftlicher Aspekte einerseits – sowie ethischer und berufsrechtlicher Ansprüche andererseits. Denn die Impfaufklärung an sich wird nicht vergütet.  Es lohnt daher in allen Praxen, dieses ‘Eisen’ in der Teambesprechung einmal anzufassen, bevor es – wenn genügend Corona-Impfstoff verfügbar ist – wirklich virulent ist.
    ÄND v. 05.02.2021
    Impfgegner: Ärzte müssen sich die Zeit nehmen
    E-Learning ‘Impfen zum Schutz vor Covid-19’ (kostenfrei/10 CME-Punkte)
    Fortbildung für Ärztinnen und Ärzte sowie medizinisches Personal
    Aufklärungseite der DFG – Deutsche Forschungsgemeinschaft
    Mehr Wissen – Informiertes Entscheiden

Abfrage zur wirtschaftlichen Situation
Erhebung des Zi-Praxis-Panel (ZiPP) beginnt
Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) startet seine jährliche Befragung zur wirtschaftlichen Situation der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten. Dazu sollen in den kommenden Tagen alle Praxen angeschrieben werden. MVZ werden dabei jedoch nicht adressiert. Für sie läuft parallel das Zi-MVZ-Panel, an dessen Erstellung der BMVZ aktiv beteiligt war. Daher möchten wir alle MVZ nochmals aufrufen, sich zu beteiligen, bzw. bereits angefangene Fragebögen zeitnah zu finalisieren. (~ Was|Wer|Wie – Zi-MVZ-Panel)

Hinweise der Unfallversicherung DGUV
FFP-2-Masken richtig nutzen
In einer ausführlichen Pressemeldung hat die DGUV in Zusammenarbeit mit ihrem Institut zur Arbeitssicherheit sowohl Hinweise zur richtigen Anwendung von FFP2-Masken zusammengestellt als auch Checklisten zu ‘Masken ohne Makel – Woran sich zertifizierter und damit sicherer Atemschutz grundsätzlich erkennen lässt’ (~ IFA hilft beim Check geeigneter Atemschutzmasken), veröffentlicht. “Uns erreichen täglich Fragen, wie und woran sich falsche, also ungeprüfte oder mangelhafte Masken erkennen lassen”, sagt der Leiter der Prüf- und Zertifizierungsstelle im IFA. Von den vielerorts kursierenden Tipps zur Aufbereitung von Masken für eine Wiederverwendung rät der IFA-Fachmann allerdings ab. Es sei nicht auszuschließen, dass solche Behandlungen die Filterleistung erheblich beeinträchtigen oder ganz zunichtemachen.

Abrechnung nach GOÄ
Niedergelassene reizen GOÄ-Steigerungssätze selten aus
Niedergelassene Ärzte kalkulieren bei der Abrechnung privater Behandlungen offenbar relativ zurückhaltend. So setzten sie 2019 in 83 % der Fälle exakt den Schwellenwert an (für persönliche Leistungen 2,3). In 10 % der Fälle steigerten sie genau zum Höchstsatz, in 4 % der Fälle kalkulierten sie unter dem Schwellenwert. Diese Angaben gehen aus einer Auswertung des PKV-Verbandes hervor.  Zahnärzte und Kliniker nutzen die Steigerungssätze ihrer Gebührenordnungen dagegen deutlich großzügiger. Es wird darauf hingewiesen, dass aber auch Niedergelassene bei sauberer Dokumentation und plausibler Begründung höhere Multiplikatoren ansetzen können. Beispielhaft werden Formulierungen wie „erschwerte Verständigung“, „häufig wechselndes Beschwerdebild“ oder „schwierige medikamentöse Einstellung“ genannt.

Arbeitsrecht
Wann kann der Arbeitgeber das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes anordnen?
Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, jeden Arbeitnehmer vor möglichen Gefahren, die das Leben und die Gesundheit beeinträchtigen können, zu schützen (§ 618 BGB). Eine Maßnahme kann dabei sein, Arbeitnehmern das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes am Arbeitsplatz anzuordnen, um sie vor Ansteckungsgefahr zu schützen. Doch was gilt, wenn der Arbeitnehmer ein Attest einreicht, das ihn von der Maskenpflicht befreit? Hierzu gab es kürzlich eine erste gerichtliche Entscheidung. Darüber und über den grundlegenden rechtlichen Rahmen informiert der aktuelle Aufsatz des Portals Chef Easy. Beachten Sie auch die aktuell geltende Arbeitsschutzverordnung (~ KW 4 / Was sonst noch relevant ist)

Fluch & Segen v. Online-Bewertungsportalen
Ärztin verliert gegen Bewertungsportal Jameda
Eine bayrisch Kinderärztin hat vor dem OLG München in zweiter Instanz eine Nie­derlage gegen das Bewertungsportal Jameda eingesteckt. Die Medizinerin wollte erreichen, dass das Un­ternehmen ihre Daten löscht und kein Profil mehr über sie veröffentlicht. Das Gericht war jedoch der Meinung, dass heutzutage sich die Öffentlichkeit aus dem Internet informieren können müsse, weswegen keine unrechtmäßige Datenverarbeitung vorliege. Umso wichtiger ist es für alle Praxen und MVZ, sich mit Onlineportalen und den dort über sie gesammelten Daten und Bewertungen regelmäßig zu befassen. Eine praxisnahe Hilfestellung gibt das BMVZ-FACHGespräch “Umgang mit Bewertungen & Adressportalen im Internet.” (~ mehr Informationen)

Reform der Approbationsordnung
Gute Ansätze, offene Fragen (PDF)
Bereits Ende 2020 hat das BMG den Entwurf einer neuen ÄApprO vorgelegt. Studierende, Ärzteorganisationen und Fakultäten unterstützen das Vorhaben der Bundesregierung, die Approbationsordnung für Ärzte zu reformieren grundsätzlich – jedoch weise der vorgelegte Entwurf noch Versäumnisse und Fehlentwicklungen auf. Fest steht, dass die neue ÄApprO – sollte sie so beschlossen werden – ein komplett neues Medizinstudium mit anderem Curriculum generieren wird. Die Bundesärztekammer begrüßt die deutlich stärker ausdifferenzierte Beschreibung des Ausbildungsziels. Zudem befürwortet sie die Möglichkeit, digitale Lehrformate zu nutzen und die Themen Datennutzung und digitale Anwendung in die Ausbildung zu integrieren. Größtenteils Zustimmung kommt auch vom Marburger Bund. Als Defizit des Entwurfs wird das Fehlen einer soliden Abschätzung der Mehrkosten und einer belastbaren Finanzierungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern gesehen. Eine erste Anhörung ist für den 18. Februar geplant – die Richtlinie selbst soll erst 2025 in Kraft treten.

Corona-Test für Privatanwender
Tests für Laien – nur theoretisch
Durch die Anpassung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung (MPAV) dürfen nun auch Antigen-Schnelltests zum direkten Nachweis von Sars-CoV-2 an Laien abgegeben werden. Hersteller und Apotheken können sich vor Anfragen nicht retten. Doch abgegeben werden kann nichts. Bislang ist kein Schnelltest auf dem Markt, der alle geforderten Kriterien zur Laienanwendung erfüllt. Warum das so ist und ab wann sich das ändern könnte, erläutert ausführlich das Portal Apotheke Adhoc.

KW 5: Was war neu und wichtig (02.02. - 07.02.2021)
Wichtig im PraxisalltagNachrichtenWas sonst noch relevant ist
      • DiGAs im Praxisalltag
        BÄK & KBV veröffentlichen Handreichung für Ärzte
        Seit letzten Herbst können Apps auf Rezept, sogenannte DiGAs, von Ärzten verodnet werden. Dafür ist das Formular 16, das auch für die Verordnung von Arznei- und Hilfsmitteln gilt, zu verwenden. Wenn die verordnete DiGA dauerhaft im DiGA-Verzeichnis aufgenommen wird und eine weitere ärztliche Begleitung vorgesehen ist, wird diese entsprechend vergütet. Im Praxisalltag ergeben sich hier für Ärzte und Ärztinnen viele Fragen. Diese wurden nun in einer Veröffentlichung des von KBV und Bundesärztekammer betriebenen Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ) aufgegriffen. Entstanden ist ein 54-seitiges PDF, das aus Arztsicht den Umgang mit DiGAs beleuchtet. Ergänzend ist eine kurze Patienteninformation: Gesundheits-Apps: Worauf soll ich achten? erstellt worden.
        Handreichung des ÄZQ
        Gesundheits-Apps im klinischen Alltag

        BMVZ.FACHGespräch (Videovortrag)
        Grundkurs Digitalisierung Teil 4 – DiGAs
      • Gematik fordert Ärzte zur Beantragung des eHBA auf:
        Spätestens ab Oktober 2021 zwingend notwendig
        Mit dem verpflichtenden Start der eAU ab 1. Oktober 2021 braucht jeder Arzt, Zahnarzt, Psychotherapeut zwingend einen persönlichen eHBA. Wie auch an dieser Stelle bereits mehrfach aufgegriffen, ist diese Karte zur Signatur von Dokumenten innerhalb der Ti notwendig. Der eHBA ist von den Ärzten bei der jeweiligen Landesärztekammer zu bestellen und kostenpflichtig. Bei angestellten Ärzten ist zudem nicht geregelt, ob die Kosten der Arbeitnehmer oder Arbeitgeber tragen muss. Was gerade MVZ daher beachten müssen, hat der BMVZ in einer ausführlichen Arbeitshilfe beschrieben. 
        Ärzteblatt v. 01.02.2021
        Elektronischer Heilberufsausweis ab Oktober für eAU zwingend notwendig

        Arbeitshilfe des BMVZ
        Der eHBA – Einführung, Fristen, Kosten
        und besondere Problemfelder im Arbeitgeber-Arbeitnehmerverhältniss
      • Atteste für schnelleren Zugang zur Corona-Impfung:
        Details zur Honorierung & Umsetzung bekanntgegeben
        Bei bestimmten Vorerkrankungen sollen Patienten gemäß der Corona-Impfverordnung früher zum Zuge kommen als es gemäß der Alterspriorisierung der Fall wäre. Das entsprechende Verfahren wurde durch die KBV präzisiert. Atteste können formlos ausgestellt werden und werden pauschal mit 5,00 Euro zzgl. 90 Cent für den Versand vergütet.  Es reicht die allgemeine Bestätigung einer Vorerkrankung ohne konkrete Benennung des Anspruchsgrundes. Allerdings sind derartige Atteste in der aktuellen, frühen Phase der Impfaktion noch nicht relevant. Bestehen Vorerkrankungen wie bspw. Diabetes, Rheuma oder KHK können Patienten altersunabhängig mit Prioritätstufe 3 impfberechtigt sein. Aktuell haben ausschließlich Patienten der Prioritätsstufe 1 Anspruch auf Impfung.

        Abrechnung Aktuell v. 29.01.2021
        Attest für vorrangige Corona-Impfung: Formlose Bescheinigung reicht aus

        KBV-Mitteilung v. 19.01.2021
        Atteste für Impfungen: Formlose Bescheinigung ausreichend

GOÄ: Einigung noch vor der Bundestagswahl?
BÄK und PKV setzen Arbeit an der GOÄ fort
Die Reform der GOÄ ist ein ewiger Streit. Die letzte umfassende Überarbeitung erfolgte 1982; 1996 gab es die letzte Teilnovellierung. Über die längst fällige Aktualisierung wird seit Jahren diskutiert – seit zwei, drei Jahren sogar konstruktiv. (~ ÄrzteZeitung v. 20.06.2020) Tatsächlich betonen BÄK und PKV aktuell, dass eine Novellierung der GOÄ noch vor der Bundestagswahl möglich sei. Sobald ein entsprechendes Gesetz vorliege, könnten sich die beiden Parteien in wenigen Wochen auf neue Positionen einigen. Insgesamt müssten zwar 5.500 Leistungen neu bewertet werden, dafür soll es aber einen strukturierten Prozess geben. Bei der GOÄ, die auch für die Heilfürsorge der Beamten relevant ist, handelt es sich um eine Rechtsverordnung der Bundesregierung, die mit Zustimmung des Bundesrates erlassen wird. Daher rechnet BÄK-Präsident Reinhardt auch mit „Widerständen“ und will besonders auf die Landesregierungen, die von der SPD und den Grünen geführt werden, zugehen, um Überzeugungsarbeit zu leisten.

Gesetzgebung: Entwurf des DVPMG vom Bundeskabinett beschlossen
Digitalisierung der Pflege, Ausbau der Ti, ePA
Der Entwurf zu dem in dieser Legislatur dritten Gesetz zur Digitalisierung, genannt Digitale–Versorgung–und–Pflege–Modernisierungs–Gesetz (DVPMG), ist vom Bundeskabinett beschlossen worden und geht nun in die parlamentarische Beratung. Unter anderem soll die Telematikinfrastruktur ausgebaut und weiterentwickelt werden. Neben Regelungen, die die Digitalisierung der Pflege betreffen, sind auch Regelungen zur Weiterentwicklung der ePA vorgesehen. So sollen Daten aus DiGAs unter anderem in der ePA eingestellt werden können, die Kassenärztlichen Vereinigungen sollen neben der üblichen Terminvermittlung auch telemedizinische Sprechstunden vermitteln, außerdem soll die Kommunikation innerhalb der Ti um Messaging und Videotelefonie erweitert werden. 

Corona-Schutzschirm für ambulante Praxen
Hofmeister: Schutzschirm für Praxen muss dringend verlängert werden
Wie schon in der letzten Woche berichtet, drängt die KBV auf eine Verlängerung des Corona-Schutzschirms für ambulante Praxen. Die Politik hält sich bei der Frage allerdings noch zurück. Der Vorsitzende der KBV Hofmeister, warnte Ende letzter Woche also nochmals vor den wirtschaftlichen Folgen besonders für spezialisierte Praxen. Er betonte außerdem den hohen Stellenwert der ambulanten Versorgung für die Bekämpfung der Pandemie. 

Änderungen im Normenrahmen – Ein Überblick
Der corona-freie Rückblick 2020
Viele gesundheitspolitische und medizinische Themen sind wegen der Coronapandemie aus dem Fokus geraten. Die Redaktion des Ärzteblattes hat daher wesentliche Änderungen und Initiativen, die 2020 vorgenommen, bzw. angestoßen wurden, zusammengestellt und jeweils mit weiterführenden Informationen verknüpft. Stichworte sind etwa die Masernimpfpflicht, die strategiediskussion um die Aufwertung von Gesundheitsberufen, das Intensivpflegegesetz, aber z.B. auch das Inkrafttreten einer neuen Rahmenvorgaben zur Wirtschaftlichkeitsprüfung im vergangenen Mai. Seit dem müssen Ärzte müssen im Fall eines Arznei- oder Heilmittelregresses in der Regel nicht mehr für die gesamten Kosten einer unwirtschaftlichen Verordnung aufkommen, sondern nur den Mehrpreis erstatten.

Gesundheitsdaten in die Cloud?
5 Forderungen für Cloud-Einsatz im Gesundheitsbereich
Mit seinem Positionspapier “Gesundheitsdaten zeitgemäß sichern und nutzen mit der Cloud” schlägt der bvitg den Ausbau von cloudbasierten Lösungen für Gesundheitsdaten vor. Sie ermöglichen einen schnellen und flexiblen Zugriff auf die Daten, gleichzeitig müsse aber der Datenschutz gewährleistet werden. Dafür sollen unter anderem bundeseinheitliche Standards definiert werden, die die bestehenden föderalen Strukturen ablösen sollen. 

MTA-Reformgesetz 
Bundestag gibt grünes Licht
Der Bundestag hat das Gesetz zur Reform der Berufsausbildung für Medizinisch-Technische Assistenten (MTA) verabschiedet, es muss noch vom Bundesrat bestätigt werden. Das Gesetz soll die Berufsausbildung von MTA modernisieren und an die aktuellen wissenschaftlichen Standards anpassen. Außerdem soll eine “angemesse Vergütung” für die Ausbildung gezahlt werden, außerdem darf kein Schuldgeld mehr verlangt werden. 

KW 4: Was war neu und wichtig (24.01. - 01.02.2021)
Wichtig im PraxisalltagNachrichtenWas sonst noch relevant ist
      • IT-Sicherheitsrichtlinie in Kraft getreten
        Am Samstag (23. Januar) ist die IT-Sicherheitsrichtlinie der KBV in Kraft getreten und damit bindend für alle Vertragsärzt*innen und MVZ. Im Auftrag des Gesetzgebers (~ DVG v. 11/2019) beschreibt die KBV mit dieser – zumeist in übersichtlicher Tabellenform –  das Mindestmaß der zu ergreifenden Maßnahmen, um die IT-Sicherheit zu gewährleisten. Hierfür wird auf ein abgestuftes Konzept in Abhängigkeit von der Praxisgröße gesetzt. Für die Umsetzung ist eine Übergangsfrist vorgesehen, die am 1. April 2021 abläuft (für einzelne Punkte auch erst 2022). Viele der Vorgaben sind nicht neu, selbstverständlich, bzw. entsprechen dem Standard vieler Praxen. Dennoch wird von von Ärzteverbänden teils von erheblichem Aufwand in der Umsetzung ausgegangen. Wesentlich ist unseres Erachtens vor allem, dass jede*r Praxisinhaber*in bzw. MVZ-Geschäftsführer*in sich die Vorgaben einmal genau anschaut und mit der eigenen Praxisrealität abgleicht, um eventuellen Anpassungsbedarf rechtzeitig zu erkennen.
        KBV-Informationsseite mit weiterführenden Arbeitshilfen
        KBV erstellt Richtlinie zur Datensicherheit

        Richtlinie nach § 75b SGB V über die Anforderungen zur Gewährleistung der IT-Sicherheit
        PDF-Volltext (Amtl. Veröffentlichung im Ärzteblatt)
      • Corona-Ausnahmen nach GOÄ:
        Verlängerung der mehrfachen Berechnung der Nr. 3 GOÄ
        Eine gemeinsame Abrechnungsempfehlung aller beteiligten Partner*innen einschließlich der Beihilfeträger*innen ermöglichte seit dem 17.11.2020 die mehrfache Berechnung der Nr. 3 GOÄ für längere telefonische Beratungen im Rahmen der Corona-Pandemie. Dies galt allerdings nur bis zum 31.01.2020; wurde jetzt jedoch bis zum 31.03.2021 verlängert – allerdings mit einer Einschränkung: Seit Jahresbeginn gilt eine Restriktion auf dreimal Nr. 3 GOÄ je Sitzung (statt viermal). Der Ansatz ist weiterhin auf viermal je Kalendermonat beschränkt – es gilt also maximal 4×3! Voraussetzung ist weiterhin, dass das Aufsuchen der Ärztin/des Arztes pandemiebedingt nicht zumutbar und eine Videokonsultation nicht möglich ist.
        AAA – Abrechnungsempfehlung vom 13.01.2021
        Abrechnung zu Nr. 3 GOÄ für längere Beratungen verlängert und geändert!
      • Sonderregelungen für verordnete Leistung erneut verlängert    
        Alle zunächst bis 31. Januar befristeten Sonderregelungen für die Verordnung von Leistungen im Zuge der Corona-Pandemie wurden per Beschluss des G-BA vom 21.01. um zwei weitere Monate bis zum Quartalsende verlängert. Das betrifft etwa die Ansetzbarkeit von Portokosten beim Versand von Folgerezepten, die Möglichkeit, Krankenbeförderung Heilmittel oder häusliche Krankenpflege per Telefon- oder Videosprechstunde verordnen zu können, sowie – für Krankenhäuser – die Ermächtigung, AU-Bescheinigungen und Verordnungen für bis zu 14 Tage ausstellen zu dürfen.
        KBV-Übersicht (Stand 21.01.2021)
        Praxisinfo ‘Veranlasste Leistungen’ (PDF – 2 Seiten)
        G-BA-Übersicht:
        G-BA verlängert Corona-​Sonderregeln für verordnete Leistungen

      • Atteste für schnelleren Zugang zur Corona-Impfung:
        Details zur Honorierung & Umsetzung bekanntgegeben
        Patienten, die nicht aufgrund ihres Alters, sondern wegen relevanter Vorerkrankungen der Priorisierungsstufe 2 und 3 gemäß Impfverordnung zuzuordnen sind, benötigen (sobald genung Impfstoff verfügbar ist) ein ärztliches Attest, um vorzeitig eine Corona-Impfung erhalten zu können. Das entsprechende Verfahren wurde nun durch die KBV präzisiert. Das  Attest kann  von Ärztin/Arzt formlos ausgestellt werden und wird pauschal mit 5,00 Euro zzgl. 90 Cent für den Versand vergütet.  Es reicht die allgemeine Bestätigung einer Vorerkrankung ohne konkrete Benennung des Anspruchsgrundes. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass Ärzte sich bei der Ausstellung und Zuordnung zur jeweiligen Prioritätsstufe an den Krankheitenkatalog der Impfverordnung halten müssen. Zur Priorisierungstufe 2 ‘berechtigen’ allein das Vorliegen von Trisomie 21, Demenz oder geistige Behinderung sowie kürzlich stattgefundene Organtransplantationen. Bestehen Vorerkrankungen wie Diabetes, Rheuma oder KHK (und viele weitere) können Patienten altersunabhängig mit Prioritätstufe 3 impfberechtigt sein.
        Ärzteblatt v. 20.01.2021
        Atteste für Impfungen: Formlose Bescheinigung ausreichend

        KBV-Mitteilung v. 19.01.2021
        Atteste für Impfungen: Formlose Bescheinigung ausreichend

Corona-Schutzschirm
BMG glaubt nicht an ein Praxissterben
Wie berichtet, ist Ende 2020 der Corona-Schutzschirm für die Vertragsärzt*innen ausgelaufen. Und immer noch ist nicht entschieden, ob die Finanzhilfen verlängert werden. Während die Ärzteschaft bereits vor einem Praxissterben warnt, halten sich Gesundheitspolitiker*innen nach wie vor mit Aussagen zurück. „Die Bundesregierung wird die Entwicklung der Corona-Pandemie auf alle Bereiche des Gesundheitswesens intensiv beobachten und dann entscheiden, ob und inwieweit Handlungsbedarf zur Sicherstellung der Versorgung der Patientinnen und Patienten besteht,“ zitiert der ÄND das BMG. Die KBV warnt vor drastischen Folgen für die ambulante Versorgung durch die Corona-Pandemie: Sperre sich die Bundesregierung gegen eine Verlängerung der Hilfen, könne es im zweiten Lockdown zu Insolvenzen und zum Sterben der vertragsärztlichen Praxen kommen. Diese Befürchtung teile man ausdrücklich nicht, heißt es aus dem Ministerium dazu. Der SpiFa veröffentlichte denn auch am 22.01. eine ent-dramatisierte Pressemeldung: Weil jeder Einzelfall zählt. Einen Hintergrundbericht und Kommentar des BMVZ vom 21.01.2021 finden Sie hier: BMVZ.on.AIR: Wird der ambulante Schutzschirm fortgeführt?

BSG-Entscheidung
Keine Alternative zur elektronischen Gesundheitskarte
Die Plastikkarte mit Datenchip und Foto gilt Ärztinnen/Ärzten und Kliniken als Nachweis für einen Behandlungsanspruch. Vor Gericht wollten Versicherte eine Alternative aus Papier erstreiten. Nun sind sie in letzter Instanz gescheitert. Ein Nachweis auf Papier ist kein ausreichender Ersatz. Das hat das Bundessozialgericht in Kassel entschieden und zwei Revisionen zurückverwiesen. Die gesetzlichen Regeln zur elektronischen Gesundheitskarte stünden im Einklang mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und verletzten die Kläger*innen auch in ihren Grundrechten nicht, heißt es. Bestand hat aber die BSG-Entscheidung von 2018, dass Kassen das Lichtbild einer/s Versicherten unmittelbar nach Herstellung und Übermittlung der eGK vernichten müssen, da ohne Zustimmung die Datei nicht dauerhaft gespeichert werden dürfe.

Neue Corona-Testverordnung
Änderungen geplant: Wer bekommt künftig wann einen Test?
Mit einer weiteren Verordnung sollen Corona-Tests auch von Menschen ohne Symptome erleichtert werden. Damit werden (wahrscheinlich in den nächsten Tagen) die Fassungen der Coronavirus-Testverordnung vom 14. Oktober und 30. November 2020 ersetzt. Die Große Koalition verfolgt damit unter anderen das Ziel, mehr präventive Tests auch asymptomatischer Personen vor allem in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sowie deren Umfeld zu erleichtern. Auch die Warn-App zählt künftig offiziell zum Testkonzept. Zudem sollen reine Privatpraxen die Tests wie Vertragsärzt*innen und MVZ abrechnen können. Zahnärztinnen/Zahnärzte und Rettungsdienste sollen eigenes Personal mit PoC-Tests untersuchen und das auch abrechnen können. Gleichzeitig soll die bestehende Abgabebeschränkung für Antigen-Schnelltests entfallen und somit Apotheken diese Tests auch an Privatpersonen abgeben dürfen. Zur Begründung führt das BMG aus, dass durch Antigentests zur Eigenanwendung eine „noch breitere und schnellere Testung der Bevölkerung erfolgen“ könne.

Neue Arbeitsschutzverordnung
SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung: Das gilt für Arbeitgeber
Bund und Länder haben am 15. Januar einen umfassenden Beschluss zum Lockdown ‒ der bis 14.02.2021 weiter gilt ‒ verabredet. Die dazu vom Bundesarbeitsministerium angepasste SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung wurde am 20.01.2021 verabschiedet (~ Volltext). Auch wenn für Praxen und MVZ viele Punkte aufgrund ihrer besonderen Betriebssituation nicht greifen, sollte die Lektüre der recht kurzen Verordnung für alle Arbeitgeber*innen Pflicht sein, um für den Fall der Fälle oder bei entsprechenden Arbeitnehmer*innenfragen aussagefähig zu sein, weshalb bestimmte Regeln nicht eingehalten werden (können).

Ausführliches Gespräch zum MVZ (Audio-Files)
(1) MVZ werden nicht primär gegründet, um Patienten glücklich zu machen
(2) Gibt es das gute und das schlechte MVZ?
Praktische Organisationsform für Ärztinnen und Ärzte, und zugleich Hassobjekt: MVZ ermöglichen Ärzten mehr Flexibilität, doch nicht jede/r findet das Konzept gut. Für eine differenzierte Sichtweise plädiert der BMVZ in dem zweiteiligen Podcast der ÄrzteZeitung, der am 21. bzw. 22. Januar veröffentlicht wurde. Thematisiert werden die aktuellen Entwicklungen bei der MVZ-Gründung,  die Frage, inwiewiet sich fachgleiche MVZ und BAG überhaupt noch voneinander unterscheiden und natürlich auch, welche Rolle sogenannte medizinferne Investor*innen für die Versorgung spielen und ob und wie hier Patienten oder die Versorgungsqualität gefährdet werden.

Corona-Impfungen
So bleiben Ärztinnen/Ärzte auf dem aktuellem Wissensstand
Patienten haben tausend Fragen. Mit dem Start der Impfungen gegen SARS-CoV-2 kommt ärztlichem Personal daher eine Schlüsselrolle zu – nicht nur bei der Aufklärung über die Immunisierung, sondern auch bei der Motivation, sich impfen zu lassen. Wichtig dabei: der Zugriff auf verlässliche Informationen. Der Aufsatz berichtet, welche Institutionen maßgeblich sind und welche Rolle die von Minister Jens Spahn ins Leben gerufene Runde „Ihre Fragen zur Corona-Schutzimpfung“ spielt. Verlinkt wurden zudem Webseiten, wo Ärztinnen und Ärzte verlässliche Fachinformationen finden. Zu verweisen ist ergänzend auf die Webseite der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die ein stetig aktuelles FAQ rund um die Impfung gegen SARS-CoV-2 – auch als PDF-Download – anbietet (~ Mehr Wissen – Informiert Entscheiden).


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