Auf die Organisation kommt es an!

Die Streichung der Vorschrift zum Fachübergriff macht nun auch  die Gründung fachgleicher MVZ möglich. Zahnärzte und andere Fachgruppen scheinen darauf gewartet zu haben. Zwar bestätigt der Bundesverband MVZ (noch) keine übermäßige Gründungswelle, steigende Anfragen beispielsweise nach den juristischen Voraussetzungen für MVZ-Gründungen jedoch schon.

Zumeist erreichen den BMVZ derzeit Fragen von Ärzten, die bereits in Berufsausübungsgemeinschaften kooperierend tätig sind und somit schon wissen, wie Kooperation funktioniert. Die Rechtsformunterschiede und deren Konsequenzen werden in den Medien häufig gegenübergestellt. Soweit, so bekannt.

Selten ausgeführt wird hingegen, dass der praktisch bedeutsamste Unterschied zwischen den verschiedenen Kooperationsformen weniger in juristischen Detailfragen, sondern vielmehr in der Art der Praxisorganisation liegt. Denn erst, wenn in MVZ und BAG arbeitsteilig gearbeitet wird, wenn also Ärzte sich um die Medizin und Nicht-Ärzte um alles andere kümmern, können die Effizienzpotentiale, die in Kooperation allgemein vermutet werden, auch wirklich gehoben werden.

Die Trennlinie verläuft in dieser – nicht-juristischen – Perspektive also zwischen denjenigen BAG und MVZ, die im Grunde eine Variante der klassischen Gemeinschaftspraxis, in der die Ärzte weiterhin alle anfallenden Praxistätigkeiten selbst übernehmen, darstellen, und denjenigen Kooperationen, die die interne Praxisorganisation durch Einbezug nichtärztlicher Verwaltungsprofessionalität gezielt weiterentwickeln.

Für den (angestellten) Arzt bedeutet die Tätigkeit in solchen BAG/MVZ, dass er sich bei voller medizinischer Behandlungsfreiheit der Arbeit mit den Patienten widmen kann, wohingegen sich weite Teile der Abrechnung, Buchhaltung, Materialwirtschaft und Personalführung auf Management­seite vollziehen. Was eben keine Frage der Rechtsform oder der Entscheidung zwischen BAG und MVZ, sondern eine Konsequenz der internen Praxisorganisation ist.

 

FAZIT


Durch den Beschluss, fachgleiche MVZ zuzulassen, verschwimmt die Abgrenzung zwischen BAG und MVZ noch weiter als bisher schon. In der Folge wird die Kooperations-Landschaft noch bunter und die Schublade mit dem Etikett ‘MVZ’ verliert – jenseits der damit verbundenen Rechtsformbezeichnung – weiter an Aussagekraft. MVZ ist nicht gleich MVZ – was bisher für die vielfältigen fachübergreifenden Konstrukte schon galt, gilt angesichts der hinzukommenden fachgleichen Strukturen umso mehr.

Mithin braucht es neue Kategorien, um ambulante Kooperationen, wie BAG und MVZ sie darstellen, inhaltlich zu erfassen und, wo sinnvoll, voneinander zu unterscheiden. In diesem Sinne ist anzuregen, künftig Kooperationen – gleich ob BAG oder MVZ – qualitativ zu beurteilen und zwecks Kategorienbildung, neben dem Aspekt fachgleich oder fachübergreifend, verstärkt auch die Frage nach dem Einbezug von Organisations-Know-How in den Praxisalltag in den Vordergrund zu stellen.


Zur Presse-Schau

Der feine Unterschied
(bibliomedmanager v. 15. Februar 2016 – Artikel)

Die Vielfalt der ambulanten Versorgungsstrukturen
(Der Allgemeinarzt v. 19. November 2015)