Normalität Kooperation – Akzeptanz Angestellte Ärzte im ambulanten Alltag

Die Gleichstellung zwischen niedergelassenen und angestellten Ärzten kommt voran. Zeitgleich zu den positiven Veränderungen, die das VSG für angestellt Ärzte bringt, weist der 118. Deutsche Ärztetag öffentlich auf die Rolle der angestellten Ärtze in der ambulanten Versorgung hin und setzt so der Debatte über die Bedeutung des Begriffs der “Freiberuflichkeit” ein Ende.

Damit ist ein Meilenstein gesetzt. Der Angestellte Arzt findet heute immer mehr öffentliche Unterstützung, während er in der Vergangenheit oft als Arzt zweiter Klasse dargestellt wurde. Normative Anpassungen selbstverständlich erscheinender Rechte – so beispielsweise die Angleichung der Vertretungsregelung an die besondere Arbeitnehmersituation angestellter Ärzte – finden im Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) ihren Platz. Doch gibt es noch immer Probleme in der praktischen Verankerung des Status’ ‘Angestellter Arzt’ bei einer Vielzahl der niedergelassenen Kollegen. Sie fühlen sich in ihrer Selbstständigkeit – Schrägstrich Freiheit bedroht.

“In der Diskussion um den freien Arztberuf wird die Selbstständigkeit oft als Ideal hochgehalten. Das ist unlogisch”, schreibt Susanne Müller, Geschäftsführerin des BMVZ, in einem Kommentar des Gesundheitsmagazins MMW-Fortschritte der Medizin. “Der Arztberuf gehört zu den freien Berufen. Damit begründet sich einerseits die Entlastung von der Umsatzsteuer. Berufsrechtlich steht andrerseits dahinter, dass Ärzte im medizinischen Handeln und ihren therapeutischen Entscheidungen keiner Weisung unterliegen. In der Diskussion setzen dagegen einige Ärzte “frei” oft mit “selbstständig” gleich.”

Diesem Sachverhalt wirkt der 118. Deutsche Ärztetag entgegen und fordert auf Initiative des Marburger Bundes, den Begriff der Freiberuflichkeit im Hinblick auf den Arztberuf zutreffend und korrekt zu gebrauchen.

In seiner Entschließung vom Mai 2015 werden die ärztlichen Verbände, Organisationen und Körperschaften direkt mit der Forderung angesprochen, ‘die teilweise missbräuchliche Verwendung des Begriffs “Freiberuflichkeit” zulasten der Mitglieder anderer Organisationen und Verbände innerhalb der jeweiligen Organisation zu verhindern und in der Kommunikation nach außen künftig zu unterlassen.’

Die korrekte Definition findet sich in §1 (2) der Bundesärzteordnung und der Berufsordnung der Landesärztekammern. Hierin heißt es “Der ärztliche Beruf ist kein Gewerbe; er ist seiner Natur nach ein freier Beruf.” Ärztinnen und Ärzte sind dem Wohle des Patienten verpflichtet, unabhängig davon, ob sie ihre Tätigkeit selbstständig, angestellt, ambulant oder stationär ausüben.

Die Tatsache, dass ein solch öffentlicher Aufruf nötig ist, wirft die Frage auf, woher das Gefühl des ‘Sich-Bedroht-Fühlens’ seitens der niedergelassenen Ärzte herrührt und zeigt gleichzeitig auf, dass weitere Aufklärungsarbeit für ein Umdenken nötig ist. Dabei hat die Normalität Kooperation – und damit der angestellte Arzt – im Alltag längst Einzug gehalten.

Selbst Dr. Andreas Köhler, früherer KBV-Chef und heute Ehrenpräsident des Spitzenverbandes Fachärzte Deutschlands, sprach sich auf einer Tagung des Bundesverbands Managed Care (BMC) unterstützend für das Angestelltendasein aus. “Wenn immer mehr Ärzte als Angestellte tätig sein wollen, dann sollten wir das nicht immer schlimm finden.” Vielmehr gehe es darum, so Dr. Köhler, sich die Frage zu stellen, welche Strukturen man als Rahmen neu schaffen müsse, so etwa bezüglich der Honorierung die Einführung des Teamfalls.

Der Team-Gedanke ist bezogen auf die Thematik “Normalität Kooperation” das Stichwort. Teamarbeit und kollegialer Austausch stehen weit oben auf der Rangliste derer, die sich für eine Tätigkeit im Angestelltenverhältnis aussprechen. Damit einher gehen der Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten bei gleichzeitiger Sicherheit des Arbeitsverhältnisses. Mittlerweile existieren verschiedene Formen der Kooperation. Neben dem Modell des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) gibt es die Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) und auch die Praxisgemeinschaft. Ebenfalls zählen der Zusammenschluss von Einzelpraxen zu Praxisnetzen oder Jobsharing-Beziehungen als Kooperation.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat diesbezüglich ihre Broschürenreihe “PraxisWissen” um ein weiteres Heft ergänzt. “Arbeiten im Team” gibt einen Überblick über die Vielfältigkeit der Möglichkeiten, Chancen und Stolpersteine von Kooperationen. Aufbauend darauf ist das Heft “Richtig Kooperieren” lesenswert.


Der Angestellte Arzt ist zwischenzeitlich aus der ambulanten und kooperativen Medizin nicht mehr wegzudenken oder wegzudiskutieren. Es gilt, Verständnis-Barrieren ab- und das Bewusstsein für die Chancen, die kooperatives Arbeiten bietet, auszubauen.

Denn letztlich – ob angestellt oder selbstständig, ambulant oder stationär – gilt grundsätzlich und überall die freie Berufsausübung zum Wohle des Patienten als oberste Maxime.

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Mehr zum Thema finden Sie hier:

Download
“Ärztliches Berufsbild – Angestellt, im Team, im MVZ und trotzdem
ein freier Arzt”
(Vollständiger Kommentar, Susanne Müller, Geschäftsführerin BMVZ, MWW – Fortschritt der Medizin, April 2015)

Verweisung
Entschließung “Begriff der Freiberuflichkeit zutreffend verwenden”

(118. Deutscher Ärztetag, 12.-15.05.2015, Beschlussprotokoll, TOP I, Beschlussprotokoll)

Verweisung
Ambulante Versorgung: Köhler regt Einführung des Teamfalls an
(Ärztezeitung vom 24/25.04.2015)

Verweisung
Arbeiten im Team
(Schriftenreihe PraxisWissen, KBV, Februar 2015)

Verweisung
Richtig Kooperieren
(Schriftenreihe PraxisWissen, KBV, Dezember 2012)