TSVG – Neue Vergütungsanreize: Umsetzungsfragen

Mit dem TSVG ergeben sich für  Vertragsärzte und MVZ neue Vergütungsanreize. Obwohl vieles noch unklar ist und insbesondere handfeste Umsetzungs- und Durchführungsvorgaben fehlen, haben wir hier erste Erkenntnisse unter dem besonderen Blickwinkel kooperativer Versorger zusammengestellt.  

Die KBV und  der GKV-Spitzenverband haben sich Ende Juni auf ein Richtlinienpapier zur Ausgestaltung der TSVG-Vergütungsregelungen geeinigt. Seitdem ist – ehrlich gesagt –  nicht viel Neues passiert, außer dass selbige “Eckpunkte zur Änderung des EBM nun auch veröffentlicht wurden. Für Ende August ist eine weitere Sitzung des Bewertungsausschusses zu diesen Fragen angesetzt-

Was unklar ist

Es fehlen nach wie vor wesentliche Bausteine, bevor ab 1. September extrabudgetäre Vergütungen fließen (könnten). Konsequenterweise können daher zu vielen Fragen noch keine erschöpfenden Antworten zur künftigen Abrechnungspraxis oder dazu, wie das Ganze von den Ärzten organisiert werden soll, gegeben werden. Aus diesem Grund finden Sie nachfolgend das zusammengefasst, was schon verlässlich bekannt ist.

Bitte beachten:
Bitte beachten Sie, dass wir diese Übersicht zwar mit Sorgfalt und Bedacht zusammengestellt haben, aber angesichts der Komplexität und teilweisen Widersprüchlichkeit der Informationslage, Fehler dennoch nicht ausschließen können. 

Die vier neuen TSVG-Fälle

  1. Terminservicestellen-Terminfall
  2. Terminservicestellen-Akutfall
  3. Terminvermittlung vom Hausarzt zum Facharzt
  4. Neupatienten

Für die vier neuen TSVG-Vergütungen im Falle soll gleichermaßen der nun neu eingeführte Arztgruppenfall Berechnungsbasis sein. Die gilt auch in KVen, die nicht mehr nach der RLV-Systematik arbeiten. Adressiert sind alle Fachgruppen mit Ausnahme der Pathologen und Laborärzte. Die Schwerpunktinternisten gelten analog zu den EBM-Kapiteln 13.3.1. bis 13.3.8. als jeweils eigene Fachgruppe.

Was bereits bekannt ist:

  • Definition des Arztgruppenfalls
  • Dringliche Terminvermittlung vom Haus- zum Facharzt
  • Fachärztliche Behandlung bei dringlicher Terminvermittlung
  • Extrabudgetäre Vergütung im Rahmen der offenen Sprechstunde
  • Regelung und Definition von Neupatienten
  • Vermittlung von Patienten durch die Termin-Service-Stelle  (TSS)
  • Meldung von Terminen an die TSS
  • Mehrere Patientenbesuche pro Quartal

Was es zu beachten gilt 

Mit Ausnahme der Zusatzgebühr für die dringliche Terminvermittlung durch HA- und KJ-Ärzte sowie der pauschalen Aufschläge auf schnelle Terminrealisierung bei TSS-Anfragen sind sämtliche extrabudgetäten Vergütungen bereinigungsrelevant. D.h. in den Quartalen IV/2019 bis III/2020 (teilweise abweichend) werden alle Mehrvergütungen verursacherbezogen bereinigt. (Wobei nicht ganz klar ist, wie mit den entsprechenden Leistungsanforderungen aus dem Zeitraum Mai bis September 2019 verfahren wird – einzelne KVen haben hier bereits Korrektur-RLV-Bescheide angekündigt.)

Kurz gesagt:
Für jeden Euro extrabudgetäre Vergütung wird Ihnen knapp dieselbe Summe vom RLV abgezogen. Ein echtes Honorarplus – so ist das im TSVG vorgesehen – kann tatsächlich erst nach(!) diesem Zeitraum realisiert werden.

Gleichzeitig gilt, dass die in den Bereinigungsquartalen dokumentierten neuen TSVG-Fälle nicht mehr zur Bemessung der RLV-relevanten Fallzahl herangezogen werden, so dass sich diese entsprechend reduziert. Dies gilt summenmäßig als folgenlos, da künftig ja wirklich extrabudgetär vergütet wird. Macht eine Praxis allerdings in diesem Jahr sehr viele TSVG-Fälle und später  – aus welchem Grund auch immer – nicht mehr, ist die Folge eine Honorar-Schlechterstellung der Praxis.

Im Übrigen gehen alle TSVG-Konstellationen und die dabei erbrachten Leistungen normal in die Plausi-Prüfung ein. Allerdings wurden bisher weder in der Bedarfsplanungsrichtline (§ 51) die Anrechnungsfaktoren, noch in der Prüfrichtlinie die Quartalssummen angepasst, obwohl die Anhebung der Sprechstundenzahl beides eigentlich bedingt.

Was daraus folgt 

Angesichts der zahllosen aktuellen Unwägbarkeiten ist es mindestens momentan wenig sinnvoll, die Praxis/das MVZ mit Verve, bzw. größerem Schulungsaufwand auf die neuen GOPs und Fallkonstellationen einzustellen.

Vernünftig scheint vielmehr, hier eine gewisse Abwarten-und-Tee-Trinken-Haltung einzunehmen, da man sich mindestens für die nächsten Monate damit nichts vergibt, auf konkretere Informationen der eigenen KV zu warten.

Dies gilt natürlich nicht für die Pflichten, die vom TSVG auferlegt sind:

  • Meldung von freien Zeiten an die Terminservicestellen
  • Sprechstundenangebot von mindestens 25 Stunden je Woche und Vollzeitarzt, davon 5 offene Sprechstunden bei bestimmten Arztgruppen – wobei die Sprechstundenzeiten 1.) der KV zu melden und 2.) auch von der Praxis selbst (Homepage, Praxisschild, etc.) zu veröffentlichen sind.