Der Arzt in Anstellung
… statistisch gesehen


Es ist inzwischen keine Neuigkeit mehr, dass in der ambulanten Medizin immer mehr Ärzte – anstatt sich niederzulassen – eine Tätigkeit in Anstellung wählen. Dahinter stehen natürlich Veränderungen im Selbstverständnis der Ärzteschaft.

Andererseits gilt: Ärzte lassen sich einfach auch deshalb anstellen, weil heutzutage die Möglichkeit dazu besteht. Die Frage, wie eine entsprechende Statistik in den 80er Jahren aus gesehen hätte, wenn die Option zur Anstellung in ähnlicher Weise bestanden hätte, ist daher zwar müßig, aber nicht irrelevant.


Grafik_Arzt_in_Anstellung

*Grafik BMVZ

Im ambulanten Bereich waren zum Jahresende 2016 knapp 152 Tausend Ärzte und Ärztinnen vertragsärztlich tätig – davon 119.641 in selbständiger Niederlassung und 32.348 im Status der Anstellung. Der Anteil angestellter Ärzte ist damit innerhalb eines Jahres erneut sprunghaft von 20 auf 27 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung wird sich jedoch nicht unbegrenzt fortsetzen denn die Niederlassung bleibt zu Recht eine attraktive Möglichkeit, als Arzt seinen Berufsalltag zu gestalten. Hier lohnt ein näherer Blick auf die Altersentwicklung der angestellten Ärzte – aber auch auf ihre Arbeitgeber.

Obwohl insbesondere das MVZ in der Debatte als Arbeitgeber für angestellte Ärzte präsent ist, sind es in Summe die Einzel- und Gemeinschaftspraxen, die bei den Anstellungsverhältnissen die Nase vorn haben. Tatsächlich haben mit 45 % (das entspricht 14.560 Ärzten) nur eine Minderheit der angestellten Ärzte ein MVZ als Arbeitgeber. Da hierzu auch die 1.120 Vertragsarzt-MVZ gehören, von denen gemäß der KBV-Statistik mehr als 90 % (auch) mit angestellten Kollegen arbeiten, sind Vertragsärzte klar die größte Arbeitgebergruppe.

Gleichzeitig wird allgemein angenommen, dass angestellte Ärzte in aller Regel Berufsanfänger sind. Die Statistik (ebenso wie die vom BMVZ gesammelte Erfahrung) zeigt dem entgegen aber, dass sich der Altersdurchschnitt der angestellten Ärzte nicht wesentlich von dem ihrer selbständigen Kollegen unterscheidet. Dieser Fakt ist eine Konsequenz zweier gegenläufiger Entwicklungen:

Erstens planen junge Ärzte die Möglichkeit, ambulant angestellt zu arbeiten, häufig bewusst als Karrierezwischenschritt, der die Absicht der späteren Niederlassung von vornherein mit einschließt. Damit fallen sie nach einer gewissen Zeit aus dieser besonderen Angestelltenstatistik heraus und verjüngen stattdessen die Gruppe der selbständigen Kollegen. Zweitens bieten MVZ und Praxen, wenn sie bestehende Arztsitze übernehmen, den abgebenden, oft älteren Kollegen in aller Regel Teilzeitmodelle an, die diese häufig auch lange über den gesetzlich geforderten Zeitraum weiterführen. Einfach, weil diese erfahrenen Kollegen den Spaß an der Behandlungstätigkeit – wenn ihnen jemand den ganzen ‚KV-Kram‘ abnimmt – neu entdecken. Dies trägt dazu bei, dass noch viel mehr Ärzte als früher auch in hohem Alter weiter aktiv sind und sich entsprechend ‘auf die Statistik auswirken’.

FAZIT
Es ist davon auszugehen, dass mittelfristig bis zu 40 Prozent der KV-Ärzte  angestellt sein werden. Dabei darf der Anteil älterer (50+) und alter Ärzte (65+) nicht unterschätzt werden. Dem entgegen werden viele der heute angestellten jungen Ärzte sich in den nächsten Jahren niedergelassen.

Denn die aktuelle Medizinergeneration lässt sich in der Tendenz eben nicht nicht, sondern nur später nieder. Aus diesem Grund ist anzunehmen, dass sich der momentan sehr rasche Anstieg bei den Zahlen der angestellten Ärzte mittelfristig mit etwas verringerter Dynamik fortsetzt.

*Alle Angaben beziehen sich auf die von KBV und BÄK veröffentlichten Grunddaten zur Arztstatistik mit Stand zum 31.12.2016, bzw. der Vorjahre.


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