Sektorenübergreifende Versorgung
– eine Sache, zwei Gesichter

Sektorenübergreifende Versorgung ist ein nicht neues, aber stets gegenwärtiges Thema. Ganz aktuell äußerte sich Dr. Bernd Köppl, Vorstandsvorsitzender des BMVZ e.V., in einem Kommentar über die gegensätzlichen Strukturen, in denen sich die sektorenübergreifende Versorgung präsentiert.

Lesen Sie hierzu: Ein Arzt – zwei Welten
(bibliomedmanager.de v. 10.11.2014)


Auf die wichtigen und rechtlichen Unterschiede bei der Abrechnung ärztlicher Leistungen gegenüber den Krankenkassen im Krankenhaus einerseits und gegenüber der KV bei ambulanten Praxen und MVZ andererseits müssen insbesondere die Krankenhaus-MVZ achten, die gleichzeitig Ärzte in der stationären und ambulanten Versorgung einsetzen. Darauf weist der BMVZ konsequent hin.

Jörn Schroeder-Printzen, Rechtsberater des BMVZ, erläuterte bereits 2010 in einem Mitglieder-Rundschreiben, die angesprochene Problematik. Wir haben den Beitrag für Sie angeführt.


Hinweis an MVZ zur persönlichen Leistungserbringung und dem geforderten Facharztstandard in der ambulanten Medizin
von Rechtsanwalt Jörn Schroeder-Printzen (armedis Rechtsanwälte), Rechtsberater des BMVZ

Abrechnung von Leistungen für GKV-Versicherte im Krankenhaus:

  • Der Behandlungsvertrag für GKV-Versicherte bei stationärer Behandlung in einem Krankenhaus wird zwischen Patienten und Krankenhaus (und nicht mit dem behandelnden Krankenhausarzt) geschlossen.
  • Unter der fachlichen Kontrolle des die Weiterbildungsermächtigung innehabenden Arztes (Chefarzt) können Assistenzärzte in ihrer Fachausbildung “eigenständige Leistungen” am Patienten erbringen, die vom Krankenhaus gegenüber den Krankenkassen abgerechnet werden.
    Für die Abrechenbarkeit der Leistungen der Assistenzärzte ist die persönliche Anwesenheit des Chefarztes nicht notwendig, solange im Rahmen der fachlichen Hierarchie im Krankenhaus die Delegation der ärztlichen Leistung verantwortet wird, d.h. also z.B. eine fachärztliche/chefärztliche Rufbereitschaft besteht, wenn der Assistenzarzt in der Rettungsstelle, im OP oder auf Station ist.
  • Berufs- und haftungsrechtlich muss der Chefarzt sicherstellen, dass die ärztlichen Leistungen der Krankenhausabteilung in dem ärztlichen Team dem Stand der medizinischen Erkenntnisse entsprechen. Eine persönliche Leistungserbringung des Chefarztes ist nicht erforderlich.

Abrechnung von Leistungen für GKV Versicherte in Praxis/MVZ:

Im Unterschied zur Rechtslage in einem Krankenhaus müssen im ambulanten Sektor andersartige fachliche und rechtliche Prinzipien beachtet werden, die wesentlich formaler sind:

  • Auch hier wir der Behandlungsvertrag mit dem MVZ und nicht mit dem einzelnen Arzt abgeschlossen, insoweit ist die Situation mit der stationären Versorgung identisch.
  • Entscheidender Unterschied ist jedoch, dass nur derjenige Arzt innerhalb der vertragsärztlichen Versorgung tätig werden darf, der dazu auch zugelassen worden ist: Wird auf eine Vertragsarztstelle ein Arzt tätig, der nicht dafür zugelassen wurde oder dessen Anstellung dafür nicht genehmigt worden ist, so sind die von diesem Arzt erbrachten Leistungen nicht abrechnungsfähig.
  • Im ambulanten Versorgungssektor werden nur “Fachärzte” nach Abschluss ihrer Facharztprüfung und dem Eintrag in das Arztregister als Fachärzte nach § 95 SGB V zugelassen. Daher gilt strikt das Facharztprinzip bei der Leistungserbringung.
    Eine Delegation von ambulanten Leistungen in der Praxis/MVZ an Nicht-Fachärzte (Assistenzärzte) ist nur dann erlaubt, wenn der Weiterbildungsassistent durch die Zulassungsgremien zuvor genehmigt worden ist.
  • Der EBM verknüpft diese Regeln der persönlichen Leistungserbringung und des Facharztstandards mit der Abrechnung der erbrachten ambulanten ärztlichen Leistungen gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung (gültiger EBM vom 1.1.2009: Allgemeine Bestimmungen, Ziffer 1.3). Bei Verstoß gegen diese Abrechnungsregeln kann die KV daraus einen Vorwurf des Abrechnungsbetruges ableiten, da die Leistungen nicht nach den Regeln des EBM erbracht und daher nicht abrechnungsfähig sind.

Kontakt
Jörn Schroeder-Printzen
j.schroeder-printzen@bmvz.de

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