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– Erfahrungsbericht: MVZ am Mittelmeer

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Rückschau: Unter dem Titel ‘(B)MVZ goes international’ berichteten wir von den interessanten Entwicklungen zum Thema ambulante Versorgung im Ausland, bzw. von den Anfragen, die den BMVZ aus dem Ausland erreichen.

Wir sprachen unter anderem über unsere gesundheitsstrategischen Beziehungen zu Frankreich und einer von den französischen Kollegen ausgesprochenen Einladung zu einem Redner-Beitrag auf einem großen Gesundheitskongress im September 2017.

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(B)MVZ goes international


IMG_01Frau Dr. med. Milena Schaeffer-Kurepkat, Ärztl. Geschäftsführerin GZB GmbH Brandenburg / Havel, sprach nun auf dem Kongress vor einer interessierten Zuhörerschaft über die MVZ-Situation in Deutschland.

Hier ein Bericht über ihre Erfahrungen während der Tagung:


Auf Einladung der Conféderation des SyndicatsMedicauxFrancais (CSMF), einer Vereinigung französischer Ärzteverbände, war ich vom 8.-10.September auf der Presqu’ilede Giens an der französischen Mittelmeerküste, um zum Thema MVZ zu referieren.

Wie jedes Jahr tagte dort die Sommeruniversität des Verbandes – la 23ème universitéd’été- zum Thema médecins et territoires, ou la théorie de l’évolution“, was man vielleicht etwas frei mit „Medizin und Zukunft der Versorgung“ übersetzen könnte.

Eine der zahlreichen Parallelveranstaltungen trug den schönen Titel „L’herbeest-elle plus verte chez nos voisins?“ – „Ist das Gras bei unseren Nachbarn grüner?“ Hier waren der Präsident der Barceloner Ärztekammer und ich als Referenten geladen.

Vor ca. 50 Zuhörern, vorwiegend niedergelassenen Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen, habe ich dort über das System der MVZ in Deutschland referiert, ein Thema, das in Frankreich auf großes Interesse stößt, da es dort bislang eigentlich keine vergleichbaren Strukturen gibt.

Zahlreiche unserer Rahmenbedingungen sind den Franzosen fremd (u.a. Sektorengrenzen, Zulassungsbeschränkungen, Leistungsbudgetierung etc.), so dass eine Herausforderung darin bestand, in 20 min zunächst – zum besseren Verständnis – die Grundstruktur des deutschen Gesundheitssystems zu skizzieren, um dann das Prinzip der MVZ und deren Entwicklung zu erläutern.

Im Anschluss an den Vortrag gab es zahlreiche Wortmeldungen, insbesondere die Themen: Arzt im Angestelltenverhältnis, Gehaltsstrukturen, Wirtschaftlichkeit, kooperatives Arbeiten, nicht-ärztliche Leistungserbringung waren von großem Interesse. Leider ließ die Zeit keine tiefergehende Diskussion zu. Dr. Jean-Paul Ortiz, Präsident der CSMF, äußerte jedoch spontan den Wunsch nach einem Besuch in Deutschland zum weiteren Austausch und Kennenlernen von MVZs vor Ort und wurde natürlich herzlich eingeladen.

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Mein Fazit: Trotz der Unterschiede im Gesundheitssystem stehen die Franzosen letztlich vor den gleichen Herausforderungen der demographischen Entwicklung und des Ärztemangels, insbesondere in ländlichen Gebieten, und wir sind ihnen in der Suche nach zukunftsfähigen Modellen mit dem System der MVZ da durchaus einen Schritt voraus.  Der fachliche Diskurs über die Landesgrenzen hinweg ist spannend, für alle Seiten bereichernd und sollte unbedingt geführt werden.


Autorin:
Dr. med. Milena Schaeffer-Kurepkat
Ärztl. Geschäftsführerin GZB GmbH Brandenburg / Havel


Weitere Informationen
zum französischen Gesundheitssystem
‘Frankreich – Gesundheitssystem im Wandel’
(KBV Klartext 2/17, S. 32ff)

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