Reaktion auf das BAMS-Interview von Prof. Lauterbach vom 24.12.2022 zu MVZ und ihrer Regulierung

MEINUNG VOM 27.12.2022

Dr. med. Peter Velling
Vorstandsvorsitzender des BMVZ e.V.

Dr. Peter Velling: „Wenn der Bundesgesundheitsminister den Patienten von MVZ mittels eines Bildzeitungs-Interviews suggeriert, sie würden reihenweise schlecht, falsch oder überbehandelt, trägt er zu einer gefährlichen Verunsicherung auf Patientenseite bei. Dem muss dringend Einhalt geboten werden.“

Die markigen Worte des Bundesgesundheitsministers deuten auf eine Schwarz-Weiß-Perspektive hin, die der Problemlage in der ambulanten Versorgungslandschaft nicht ansatzweise gerecht wird. Zudem wird immer vergessen, dass es in jeder Hinsicht die Ärzte selbst sind, die die Trends zur Anstellung im Allgemeinen und zur Verbreitung von MVZ befeuern. Ohne Ärzte, die sich anstellen lassen und ohne Praxisinhaber, die ihre Sitze in MVZ einbringen, würde jedes Investoreninteresse ins Leere laufen. Und als selbst in einem MVZ angestellter Arzt weiß ich hier sehr gut, wovon ich rede. Die Frage muss also lauten, wieso immer mehr Kolleg:innen den Weg einer gemeinschaftlichen Niederlassung/Tätigkeit in verschiedenen Praxisformen gegenüber der früheren Einzelzulassung wählen?

Wenn der Bundesgesundheitsminister den Patienten von MVZ mittels eines Bildzeitungs-Interviews suggeriert, sie würden reihenweise schlecht, falsch oder überbehandelt, trägt er zu einer gefährlichen Verunsicherung auf Patientenseite bei. Dem muss dringend Einhalt geboten werden, denn eines ist klar: Es gibt keine Belege für eine qualitativ schlechtere Versorgung in MVZ – das Gegenteil ist der Fall, denn bekanntermaßen gilt gerade bei Operationen, dass gebündelte Quantität auch Qualität bedeutet.

Wie hier auf dem Rücken der Patienten eine ideologiegetriebene Debatte darüber, ob es gutes und schlechtes Geld in der medizinischen Versorgung gibt, geführt wird, gibt mir Anlass zur Sorge. Wir müssen dringend zu einer sachlichen und fakten- statt gefühlsorientierten Debatte auf Fachebene zurückkehren und aufhören, Patienten zu verunsichern. Dazu braucht es eine vernünftige Transparenzinitiative, für die wir gern bereitstehen und auch Ideen haben. Keinesfalls aber braucht es eine plakative Grabenziehung zwischen großen Praxisverbünden einerseits und der zum Ideal erhobenen Einzelpraxis andererseits. Lassen Sie uns vielmehr über Qualitätssicherung und Effizienzreserven in der ambulanten Versorgung reden.